Vorschau Schweizer Meister BSC YB – FC Lugano

28. April 2019 um 13:20 von Questra in der Kategorie Matchvorschau, YB

Der 28. April ist in Köpfen und Herzen der YB-Fans eingebrannt. Es wird für immer der Tag sein, an dem eine Leidenszeit zu Ende gegangen ist, ein Tag, der für jeden YB-Fan wie ein Geburtstag gefeiert werden soll.

Just ein Jahr nach diesem denkwürdigen Heimspiel, treten die Gelbschwarzen als Schweizer Meister 2019 erstmals im eigenen Stadion auf. Noch sechs Runden sind zu spielen, sechs Runden, in denen die Mannschaft in ihrer jetzigen Zusammensetzung genossen werden kann; nein nicht nur genossen, sondern auch gefeiert werden soll. Denn klar ist heute schon: Steve von Bergen und Kevin Mbabu werden nächste Saison nicht mehr in dieser Mannschaft sein. Es sind Stützen der beiden Meistermannschaften gewesen und sie werden eine Lücke hinterlassen, die zu schliessen die grosse Aufgabe von Sportchef Wuschu Spycher ist. Ein guter Grund also, heute die Gelbschwarzen trotz garstigem Wetter im heimischen Wankdorf zu unterstützen.

Während es beim Heimteam noch um Einträge in die Rekordbücher geht, steckt der Gegner aus dem Tessin mitten im Abstiegskampf: Vier Punkte trennen den FC Lugano vom Barrageplatz. Die Südschweizer werden also hochkonzentriert ans Werk gehen, denn Punkte sind für sie überlebenswichtig. Dass der Tabellenführer zum Ende der Saison nicht das Zünglein an der Abstiegswaage spielen will, ist klar. Und nachdem am Montag die unglaubliche Serie an Spielen mit Berner Torerfolgen zu Ende gegangen ist, sollte heute unbedingt eine neue gestartet werden. Obwohl die Spiele gegen Lugano bisher allesamt eng gewesen sind, aber alle gingen gewonnen, rechnen wir mit dem vierten YB-Sieg. Der ist jedoch keine Selbstverständlichkeit, haben die bianconeri doch mittlerweile seit acht Spielen nicht mehr als Verlierer vom Platz gehen müssen.

YB muss also mit einer konzentrierten, aber auch einer leicht angepassten Startformation ins Spiel gehen: Ngamaleu fehlt wegen einer Verletzung. Auch dürfen wir gespannt sein, in welcher taktischen Ausrichtung Seoane seine Mannen heute aufs Feld gehen lässt. Wir erwarten das eingespielte 4-4-2 System und erhoffen uns, Gaudino nun einmal von Anfang sehen zu dürfen, welcher auch gleich Topfen und beim 3:2-Heimsieg den Torreigen eröffnen wird.

Vorschau Xamax – BSC Young Boys

21. April 2019 um 13:55 von Marco in der Kategorie YB

„Meine Definition von Glück? Keine Termine und leicht einen sitzen.“ Das Zitat des Schauspielers und Berufstrinkers Harald Juhnke wollen wir natürlich keineswegs in Frage stellen. Dennoch muss man bedenken, dass man die Definition von Glück noch etwas weiter fassen kann. An einem sonnigen Ostermontag mit dem alten und neuen Fussballschweizermeister in ein hübsches Stadion am See pilgern kommt der Definition von Glück auch sehr nah. Erst recht, wenn man noch leicht einen sitzen hat.

Seit rund eineinhalb Jahren versorgt YB seine Anhänger mit regelmässigen Dosen an Glücksgefühlen. Gerade weil der Höhenflug schon so lange anhält, muss man sich immer wieder in Gedanken rufen, dass all das, was wir mit YB erleben keineswegs selbstverständlich ist.

Jetzt, da der Meisterstitel bereits fest steht, warten auf den BSC Young Boys noch sieben Gala-Auftritte. Das sportliche Hauptziel ist erreicht, doch noch gibt es einige Rekorde zu knacken. Punkte, Tore und Siege: Praktisch jede Bestmarke liegt noch in Reichweite. Nichtsdestotrotz ist es für das Team von Seoane natürlich eine Herausforderung, die Spannung noch hochzuhalten. Schliesslich geht es bei den meisten Gegnern noch gegen den Abstieg oder um einen Startplatz im Europacup. Ein Ausrutscher auf dieser Gala-Tournee ist daher nicht auszuschliessen.

In Xamax dürfte dies aber noch nicht der Fall sein. Seoane muss zwar auf den gesperrten Ngamaleu verzichten, kann aber ansonsten aus dem Vollen schöpfen. Das Spiel in Neuenburg ist daher auch eine gute Gelegenheit einigen Spielern Einsatzzeit zu geben, die bisher vor allem Ersatz waren. Zum Nachteil für YB ist dies allerdings nicht. Das Gelbschwarze Meister-Ensemble lässt sich von der gelben Wand im roten Stadion beflügeln und gewinnt 3:1. Tore schiessen Hoarau (Doppelt, damits endlich für die Krone reicht), Fassnacht (ja wirklich) und natürlich Nuzzolo.

 

BSC YB – FC Zürich 1:0

17. April 2019 um 12:05 von Jänu in der Kategorie YB

Lange Warteschlangen im Coop, Stehplätze im Extrazug, ein Fanmarsch, der seines gleichen sucht, vollgestopfter Gästesektor, Nebel, Rauch und Feuer sowie nach der Rückreise eine Stippvisite im Wankdorf. Es war wahrlich eine ungewöhnliche Auswärtsfahrt am Sonntag – die erste mit dem frischgekürten Meister 2019!

Die Stimmung war ausgelassen, über den sportlichen Teil des Tages machte man sich nur am Rande sorgen. Sind die Jungs verkatert? Steht Fasi im Aufgebot? Wird die Torserie aufrechterhalten? Kurz: Nein. Ja. Ja. Das sind aber auch die einzigen Fragen, die ich zum Spiel beantworten kann, weshalb es einen zum Tag passenden ungewöhnlichen Matchbericht gibt.

Die einzige klare Szene im Kopf ist das einzige YB-Tor, das gleichbedeutend mit der Spielentscheidung war. Die Zürcher jammerten, der lange Ball auf Hoarau wurde von diesem nicht nur verlängert, sondern optimal in den Lauf von Nsame gelegt und unser Meistertorschütze zeigte auch als Titelverteidiger vor dem Tor seine Klasse: versenkt! Ansonsten nahm ich im Spiel ein erstaunlich waches YB mit einigen liegengelassene Chancen wahr. Das Gefühl eines verdienten Sieges war nach Abpfiff jedenfalls gegeben. Dies zu beweisen, fällt mir allerdings schwer, so verhinderten Umarmungen, Jubeltänze, Gerstensäfte, Smoke, Feuer, und die grosse Entfernung zum Spielfeld eine genaue Analyse. Aber ich bin sicher, dass die für einmal für niemandem wirklich wichtig ist.

Wirklich wichtig fürs Fanleben wird allerdings die Ankunft im Wankdorf und die anschliessende Spielerpräsentation bleiben. Auch wenn die Zehenspitzen langsam kalt wurden und die Uhrzeiger sich unerbittlich dem Arbeitswochenanfang entgegendrehten, war es richtig emotional. Nun wurde es jedem in der Kurve bewusst: wir (also vor allem die Jungs da unten auf dem Rasen) habens erneut geschafft! YB hat den Titel verteidigt! Und das Wankdorf wurde wieder in jene Meistermagie gehüllt, die uns seit einem Jahr immer wieder Gänsehaut und kalte Rückenschauern verursachen. Spieler, Trainer (eeeeeeeee Seoane!), Staff und Fans verschmelzen in solchen Momenten zu einer Einheit, die aus YB mehr macht als ein einfacher Fussballclub. Magisch!

Die Noten:

Jeder, der irgendwas mit YB am Hut hat: 6! Chad.

Vorschau FC Zürich – Schweizer Meister BSC YB

14. April 2019 um 11:49 von Questra in der Kategorie Matchvorschau, YB

Nach dem Amuse-Bouche gibt es am Sonntag in Zürich den Hauptgang zu geniessen. Wenn dort der Cupsieger auf den Meister trifft, ist dies immer ein spezielles Spiel. Wenn es sich dabei noch um einen Klassiker des Schweizer Fussballs handelt, wird die Partie gleich noch etwas spezieller. Ja, der BSC Young Boys kann im Letzigrund seinen Titel feiern. Der Sack ist zugemacht, so früh, wie noch nie vorher eine Mannschaft in der Schweiz sich den Meistertitel sichern konnte. Trotz aller Feierlichkeiten und YBs Hoch, der Sieg gegen einen FC Zürich ist nie selbstverständlich. Die Zürcher dürften sehr viel dagegen haben, dass die Punkte nicht im eigenen Stadion bleiben. Denn der FCZ befindet sich im erweiterten Abstiegskampf. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nur 5 Punkte und damit ist jeder Punkt wertvoll. Vor allem die Heimspiele müssten in dieser Situation zwingend gewonnen werden.

Dumm nur, wenn es da ausgerechnet gegen den Schweizer Meister geht, die Mannschaft geht, welche auswärts diese Saison noch nie verloren hat.

Die Rollen sind für das Spiel am Sonntag klar verteilt. YB ist als Meister natürlich der Favorit, Zürich der Underdog, der zuhause dringend Punkte braucht. Wir rechnen trotz der spontanen Meisterfeier mit einem weiteren YB-Sieg.

Mit welcher Aufstellung Trainer Seoane diesen Sieg holen will, ist schwierig vorauszusagen. Aber wir rechnen mit der gleichen Aufstellung wie vor Wochenfrist gegen den FC Thun, nur Mbabu dürfte wieder für Schick spielen. Wenn Gelbschwarz noch einmal in diesem Tempo und Spielwitz anfangen kann, dürfte auch der FC Zürich überfordert sein.

Dank einem weiteren frühen Treffer Hoaraus werden die Weichen in die richtige Richtung gestellt. Fassnachts Siegsicherung wird das Letzigrund in eine noch grössere Gelbschwarze Festhütte verwandeln. Und Assalés Treffer wird dann die Kirsche auf dem Meisterdessert sein.

FC Luzern – BSC Young Boys 1:3

12. April 2019 um 18:41 von Marco in der Kategorie YB

Amuse-Bouche oder Gruss aus der Küche heisst das kleine Häppchen, das am Anfang eines opulenten Menüs gereicht wird. Der Match gegen Luzern war demnach mit einem Amuse-Bouche zu vergleichen: Eine kleine Gaumenfreude für die Fan-Seele bevor der Hauptgang aufgetischt wird. Wobei das Gebotene zu Beginn noch nicht wirklich schmackhaft war.

YB-Trainer Gerry Seoane präsentierte ein 3-4-3, das lange Zeit Mühe hatte, das Spieldiktat zu übernehmen. Luzern wirkte zeitweise aufsässiger, doch spätestens im Strafraum fehlte es dem Heimteam an Präzison und Kaltblütigkeit. Leider liess auch Assalé in der ersten Halbzeit diese Eigenschaften vermissen. Als vor dem leeren Tor zum Kopfball kam, spedierte er den Ball direkt in die Hände von Zibung. Es ist die beste Gelegenheit für die Young Boys in den ersten 45 Minuten.

Das Tolle am gegenwärtigen YB ist die Fähigkeit, Druck und Tempo jederzeit noch etwas erhöhen zu können. Nach der Pause agierte Gelbschwarz deutlich besser. Die Quote der gewonnenen Zweikämpfe stieg und der Schweizer Meister schnürte Luzern ein. Den Bann brach Nsame jedoch mit einer sehenswerten Einzelaktion. Zuerst tunnelte er FCL-Verteidiger Voca, dann umspielte er Schwegler und knallte den Ball schliesslich über dem verdutzten Zibung unter die Latte. Ein Tor, das Appetit auf mehr machte. Assalé nahm die Bestellung auf und schickte Sow mit einem langen Pass Richtung Tor. Dieser krönte seine starke Leistung mit dem 2:0 und verwies auf den Meisterbadge am Oberarm. Möge dieser noch lange dort leuchten. A propos leuchten. Die Mannschaft aus der Leuchtenstadt kam bei einem ihrer raren Angriffe in der zweiten Halbzeit zu einem Torerfolg. Dies allerdings nur, weil Von Bergen bei einem Tackling im Strafraum den Ball mit seinem Oberarm touchierte. Eleke verwertete den anschliessenden Penalty und liess Blauweiss noch einmal hoffen. Die Hoffnung dauerte allerdings nur sieben Minuten. Dann schloss Garcia einen schnellen Angriff mit einem satten Schuss ab und sorgte für den 3:1-Endstand.

Das Amuse-Bouche ist vertilgt. Jetzt kann der Sonntagsbraten auf den Tisch kommen.

 

Von Ballmoos 5 In der ersten Halbzeit zeigte er Präsenz, wenn es nötig war. Beim Penalty machtlos.

Benito 5 Lieferte auch in der Dreierabwehr eine gute Leistung ab. Seine Form ist seit Wochen stark.

Von Bergen 6 Oh Capitano. Auch, wenn es noch ein paar Wochen dauert, trauern wir dir bereits jetzt etwas nach. Die Note bleibt ab nun unverändert.

Camara 5 Dieser Giel kommt gut. Eine Maschine mit Übersicht.

Garcia 5,5 Die sehr strenge Gelbrote Karte unterschlagen wir jetzt. Ansonsten ein toller Auftritt inklusive Torerfolg.

Aebischer 5 Spielte bei YB noch nicht oft im 3-4-3, war aber aktiv und bestätigte seine Form.

Sow 5,5 Bis vor kurzem konnte man seinen fehlenden Torinstinkt kritisieren. Mit zwei Treffern in zwei Spielen ist diese Kritik vorerst nichtig.

Mbabu 4,5 Solid. Für die Glanzpunkte waren diesmal aber andere verantwortlich.

Ngamaleu 4,5 Viel Bewegung, viel Präsenz, aber weniger einflussreich als in den letzten Spielen.

Nsame 5,5 Was für ein geiles Tor!

Assalé 5.5 Seine Bemühung wurden einmal mehr nicht mit einem Tor belohnt. Allerdings war er für alle drei Vorlagen verantwortlich.

Fassnacht, Schick und Hoarau Keine Note Sie kamen, als das Spiel entschieden war. Schön, kann man solche Spieler von der Bank bringen.

Vorschau: FCL – BSC Young Boys

10. April 2019 um 14:00 von Pele in der Kategorie Matchvorschau, YB

Seit dem 1. Januar 2018 hat YB in nationalen Wettbewerben genau vier Spiele verloren. Das 1:5 in Basel, als frischgebackener und nicht ganz nüchterner Meister. Den Cupfinal gegen den angestachelten Michi mit seinem FCZ. Und in dieser Saison je einmal in beiden Wettbewerben gegen den FC Luzern. Damit hat man in 54 Partien 50mal gepunket! Und das trotz Verletzungen, Sperren, Abgängen, etc.

Dies als Erinnerung für all diejenigen, die in letzter Zeit wegen fehlender Leichtigkeit und einigen weniger deutlichen Resultaten schon mit drohenden Niedergangs-Szenarien aufwarteten.

Item. Jetzt wirds ernst. Wir haben uns an dieser Stelle viele Jahre lang über den Innerschweizer lustig gemacht, Looooozärn als Gegner nie so richtig ernst genommen (Anm. d. Red.: vor allem Maté nicht). Nach zwei Pleiten in dieser Saison müssen wir zugeben: Machen wir immer noch nicht! Trotzdem: Respekt, wem Respekt gebührt. Häbi-Gou und Chrigu Schneuwly sorgen zudem für einen gewissen Sympathiebonus. 

Gegen St. Gallen noch hat YB einen grossen Aufwand betrieben und wurde, wie so oft, spät belohnt. Im letzten Heimspiel gegen Thun zeigten unsere Gelbschwarzen dann mal wieder so richtig, was in ihnen steckt.

Das heutige Nachtragsspiel (in der verschneiten Swissporarena konnte letzte Woche nicht gespielt werden) ist gegen einen unter Häberli gut organisierten FC Luzern mühsam zu spielen. Zudem ist das Team körperlich sehr robust, die meisten Spieler in der Startelf gegen Basel waren über 1.85 gross.

YB kann heute auf den am Sonntag noch gesperrten Mbabu zählen. Auch von Ballmoos zeigte am Sonntag, dass er wieder voll einsatzfähig ist. Gut möglich, dass Gerry Seoane noch einmal auf die gleiche Startaufstellung wie gegen Thun setzt.

YB steht ein harter Kampf bevor, den man mit 3:1 für sich entscheidet. Wir prophezeien das Ende von Christian Fassnachts Torflaute. Auch dürften heute Assalé und der ewige Goalgetter Hoarau treffen.

BSC Young Boys – FC Thun 5:1

9. April 2019 um 12:04 von Pele in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen, YB

Berner Kantonalmeisterschaften sind oftmals unterhaltsame, aber mühsame Duelle. Ein aufsässiges Team, das sich in jeden Zweikampf wirft, keinen zweiten Ball kampflos hergibt und unnachgiebig Druck aufsetzt, ist nicht einfach zu bespielen.

So war es auch am Sonntag. Doch besagtes Team trug diesmal Gelb-Schwarz und spielte, als ginge es um Leben und Tod. Vor über 27’000 Fans führte YB allen Beobachtern vor Augen, warum man völlig verdient seit 2 Jahren an der Spitze des nationalen Fussballs steht.

Klar, Thun war schlecht und kam nie ins Spiel. Doch das lag in erster Linie am Meister, der von Beginn weg mit dem Messer zwischen den Zähnen agierte. Nach wenigen Minute hätte es einen Penalty für YB geben müssen, doch Glarners Foul an Assalé wurde nicht entsprechend taxiert. Statt lange zu lamentieren, spielte Gelb-Schwarz einfach weiter. Ein Muster, das sich in diesem Spiel noch mehrmals ausbezahlte.

Kurz darauf brachte Sow die Berner in Führung, nach zehn Minuten doppelte Hoarau nach. Und nach 23 Minuten sorgte Lauper mit seinem Premierentreffer für die Entscheidung. Obwohl Moumi Ngamaleu noch vor der Pause auf 4:0 stellte, durften sich die Thuner glücklich schätzen. Hätte YB schon nur die klaren Chancen verwertet, wäre ein 8:0 nach 45 Minuten nicht unverdient gewesen.

Nach dem Tee sorgten Schick (Wuschu: bitte verlängern) und Captain von Bergen (Wuschu: bitte verlängern) mit der einzigen Unkonzentriertheit des Nachmittags für das Ehrentor der Gäste.
Hoarau stellte das Skore später per Kopf auf 5:1. Auch hier verzichtete YB zuvor auf Reklamationen, nahmen ein Doppelhands im Strafraum hin und setzten in Person von Loris Benito nach. Dessen Flanke verwertete Gui gewohnt souverän.

Es blieb beim 5:1, auch weil YB zwei Gänge zurückschaltete. Für einmal kein emotionaler Last-Second-Sieg sondern eine Gala, die jedem Fan im Stadion ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Und dank dem 1:1 der Basler gegen Lugano, kann es mit dem Titel nun ganz schnell gehen. Trotzdem fokussieren wir uns zuerst auf Luzern. Wenn noch irgendwo eine kleine Rechnung offen ist, dann in der Innerschweiz.

Von Ballmoos 5/ Beschäftigungslos, mit einigen guten Angriffsauslösungen.

Schick 5/ Kleiner Abzug wegen dem Fehler vor dem Gegentor, dafür Boni für gute Flanken und den neunten (!) Assist.

Von Bergen 5/ Auch hier eine halbe Note Abzug. Er wird’s verschmerzen.

Ali Camara 5/ Zeigt deutlich, dass er seinen Stammplatz verdient.

Benito 5,5/ Starker Auftritt mit viel Engagement. Leitet gleich mehrmals Angriffe und Tore mit gutem Nachsetzen ein.

Fassnacht 4,5/ Sein Knoten hätte gerne platzen dürfen… Hat sich aber die nächsten Treffer für Luzern aufgespart.

Sow 5,5/ Tolles Tor, toller Auftritt. Aber der Bart muss weg.

Lauper 5,5/ Endlich trifft er – und erst noch mit links. Auch sonst ein starkes Spiel.

Ngamaleu 5,5/ Belohnt sich für einen fleissigen Auftritt mit dem 4:0.

Assalé 5/ siehe Fassnacht.

Hoarau 5,5/ Top-Stürmer, Top-Typ.

Keine Note für Gaudino (deutet Potential erneut an), Nsame (Pech beim Lattenschuss) und Uli.

BSC YB – FC St. Gallen 3:2 (1:1)

2. April 2019 um 13:46 von Questra in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen, YB

Es gibt sie, diese Kapitäne, die ohne Binde um den Arm die Leader auf dem Platz sind. Sie waren die Pfeiler der letztjährigen Meistermannschaft und sie sind es auch beim designierten Meister dieses Jahres. Ihre Wichtigkeit merkt man meist erst, wenn sie nicht spielen. Diese Pfeiler bei YB sind neben von Bergen, Sanogo, Sulejmani und Hoarau. Als in der Rückrunde einer nach dem anderen nicht mehr spielte, kam der YB-Motor ins stocken.

Einer spielt vermutlich nie wieder für YB, Sanogo wird aber bei den Saudis kaum glücklich. Ein anderer spielt diese Saison kaum mehr, die Genialität Sulejmanis wird aber schmerzlich vermisst. Immerhin kamen am Sonntag von Bergen und Hoarau wieder von Beginn zum Einsatz und sie beide werden wie Wein im Alter noch besser. Dass von Bergen Sprints gegen 15 Jahre jüngere Gegenspieler gewinnt ist eindrücklich. Seine Abgeklärtheit vor dem eigenen Tor ist unerreicht. Wie er seine Mitspieler dirigiert und auf dem Feld wie ein Trainer denken kann, machen ihn so unglaublich wertvoll. Neben ihm können Wüthrich, Camara oder Lauper reifen.

Und vorne steht dieser Turm, cooler als mancher Inuit. Allein seine Präsenz auf dem Feld ist ein halber Sieg. Guillaume Hoarau, der Mann aus La Réunion, der es wie kein anderer versteht die Mannschaft zu vereinen. Und der mit seiner Torgarantie gegen jeden Gegner der Superleague den Unterschied ausmachen kann.

Im Jahr 2019 wird den Berner Young Boys nichts geschenkt. Seit dem Jahreswechsel ist jedes Spiel ein Kampf, jeder Punkt muss sich hart verdient werden. Während im goldenen Herbst die Tore fielen wie die reifen Äpfel in Bauers Garten, ist das Erzielen ebendieser in Stocken geraten wie der alte Traktor des gleichen Bauers.

Auch im Spiel gegen den FC St. Gallen wollte zu Beginn nicht wirklich viel Zählbares gelingen. Bei beiden Mannschaften siegte Kampf über Kreativität. Die beiden dreier Mittelfelder neutralisierten sich gegenseitig so gut, dass von ihnen keine spielgestaltenden Ideen ausgehen konnten. So waren Szenen vor den beiden Toren rar. Ein erstes Mal entstand etwas wie Gefahr nach einem Rückpass von Grégy Wüthrich, der zusammen mit Steve von Bergen die Innenverteidigung bilden durfte: David von Ballmoos konnte den Ball nicht richtig kontrollieren, stolperte kurz darüber und konnte ihn dann noch rechtzeitig mit der Fussspitze aus der Gefahrenzone befördern. Das war aber lange die grösste Aufregung im Spiel.

Als sich Guillaume Hoarau den Ball 25 Meter vor dem Tor für einen Freistoss aus gefährlicher Distanz hinlegen durfte, hofften 31‘120 Augenpaare im ausverkauften Wankdorf auf einen ersten Geniestreich des zu lange verletzten Goalgetters; sein erster Abschluss war für Stojanovic im Tor der Espen aber keine richtige Prüfung. Dass im direkten Gegenzug der Ball ein erstes Mal im YB-Netz zappelte, war äusserst unglücklich. Tafer verstolperte einen Ball, welcher direkt vor den Füssen Bakayokos liegen blieb, ein platzierter Schuss und von Ballmoos war mit dem ersten Abschluss geschlagen. Nicht, dass der Führungstreffer gestohlen gewesen wäre, aber er war weder zwingend noch nötig.

Das Aufbäumen der Berner blieb danach aus. Es brauchte geniale zehn Sekunden der halben Mannschaft um zum Ausgleich zu kommen. Mbabu, Aebischer und Assalé tankten sich auf der Seite durch. In einer seiner besten Szenen konnte der kleine Flügel den Ball in die Mitte zu Djibril Sow spielen, dessen ganze Klasse in diesem einen Spielzug gipfelte: der direkte Absatzpass auf Hoarau ist an Genialität kaum zu überbieten. Und wenn Guillaume alleine vor dem Tor steht, trifft er die Lücken wie kein zweiter. Das Unentschieden zur Pause war verdient, aber hart erarbeitet.

Während der Pause wurde klar, was sich zuvor leider abgezeichnet hatte: von Ballmoos, nach einem Rencontre mit Bakayoko getroffen, blieb in der Kabine. Dass aber mit Wölfli ein weiterer Mannschaftspfeiler auf dem Bitz stand, liess ein gutes Gefühl für die zweite Halbzeit aufkommen, umso mehr Seoane regelmässig die richtigen Pausenworte findet.

So auch am Sonntag: die Mannschaft der zweiten Hälfte hatte wenig zu tun mit derjenigen der ersten 45 Minuten, obwohl Wölfli der einzige Neue war: YB zeigte wieder Spielwitz, dominierte die Espen und schnürten diese minutenlang in der eigenen Hälfte ein. Bis Tafer wieder einen Ball an seinen Füssen hatte. Sein Zuspiel glänzte dieses Mal von Klasse, der Ball in die Tiefe war perfekt gespielt. Die aufgerückte YB-Abwehrreihe sah dabei ganz alt aus; Ashimeru stand in der 65. Minute allein vor Wölfli und diesen ereignete das gleiche Schicksal wie seinen Vorgänger: beim ersten gefährlichen Schuss bezwungen, auch er dabei chancenlos.

Durch den erneuten Rückstand musste Seoane personell reagieren: er ersetze innert 10 Minuten zwei Spieler, erst Lauper mit Ngamaleu, womit die Gelbschwarzen wieder im 4-4-2 aufliefen, dann den fleissigen aber glücklosen Fassnacht mit Schick. Die Wechsel zeigten gegen müde St. Galler direkt Wirkung, welch Luxus solche Spieler auf der Bank zu wissen.

Als die letzte Viertelstunde, welche den Young Boys in diesem Jahr schon so oft den Sieg einbrachte, eingeläutet worden war, fand Benito Zeit und Platz zum Flanken. Der St. Galler Spielführer Hefti wähnte sich im Volley und setzte einen gekonnten Block – blöd nur, dass Tschudi dies als absichtliches Handspiel erkannte und auf den Punkt zeigte. Was nun folgte war unglaublich: Hoarau setzte sich den Ball, welcher für einen St. Galler einen halben Millimeter zu weit vorne zu liegen schien. Er ging zum Ball und versetzte ihn deutlich nach hinten. Und Hoarau? Der liess es geschehen, lief an und versenkte. Unglaublich dieser Mann.

Natürlich reichte den Gelbschwarzen ein Unentschieden zu Hause nicht. Und mit dem Selbstverständnis eines Topteams wurde auch in den letzten Minuten alles auf die Karte Sieg gesetzt. Ein weiter Ball Mbabus, eine perfekt getimte Hereingabe Schicks und eine Fussspitze Hoaraus später lagen die Young Boys in Führung und fuhren den nächsten last-Second-Sieg ein.

Die Noten:
Von Ballmoos: 4,5
Benito: 5
von Bergen: 5
Wüthrich: 4,5
Mbabu: 4,5
Lauper: 4,5
Aebischer: 4,5
Sow: 5
Fassnacht: 4,5
Assalé: 4,5
Hoarau: 5,5
Wölfli: 4,5
Ngamaleu: 5
Schick: 5