Darf man einem Gegner etwas Schlechtes wünschen?

22. Februar 2010 um 15:15 von Biber in der Kategorie Getackelt

  

Jeden Montag wird unter “getackelt” das verbale Bein ausgefahren und der Gegenspieler vom Ball getrennt. Manchmal fair, manchmal nicht, aber immer auf den Ball gespielt.

Darf man einem Gegner etwas Schlechtes wünschen? Diese Frage beschäftigte mich letzten Samstag intensiv. Nach einem fairen Zweikampf ist Verletzungs-Gott Alex Frei unglücklich gestürzt und hat sich dabei den Arm gebrochen. Zweimal, schliesslich hält doppelt genäht ja auch besser.

Die halbe Fussballschweiz ist geschockt. Allen voran der Blick, der aus diesem Anlass auch gleich den äusserst schmeichelhaften Arbeitssieg der Basler in eine heroische Schlacht umschrieb. Ich hingegen versuchte meine Gefühle erstmal ein wenig zu ordnen. Das ging in etwa so:

 „Man wünscht keinem Gegner eine Verletzung“ sagte eine Stimme in meinem Kopf.

 „Es ist Alex Frei. Verstehst Du? Alex Frei“, sagte die andere Stimme.

Aber trotzdem. Einfach armselig sich über Unglück eines anderen zu freuen.

Ach ja? Und wenn es uns nützt?

Nützen? Du willst doch nicht so die Meisterschaft gewinnen? Dank einer Verletzung des Gegners?

Das ist mir egal. Verletzungen gehören halt dazu. Ich hätte auch lieber einen Yapi, der mit dem Kopf nicht vielleicht doch schon in Basel ist. Aber wir müssen uns damit arrangieren. Wie sich der FCB jetzt ohne Alex Frei arrangieren muss. Übrigens, meinte nicht Alex Frei noch vor kurzem höhnisch, dass Doumbia die Saison bei YB nicht zu Ende spielen würde.

Was hat das denn damit zu tun?

Nun, wer spielt jetzt die Saison nicht zu Ende?

Alex Frei. Aber das ist wirklich unglücklich. Er ist ein toller Fussballer. Er ist für die Nationalmannschaft wichtig und für die gesamte Liga … Hör sofort auf zu lachen!

Weisst Du was? Mir ist die Liga egal. Und die Nati kümmert mich – wenn überhaupt – in ein paar Monaten. Für mich zählt im Moment nur YB. Nachdem in letzter Zeit das Pech an den Stollen unserer Spieler klebte, ist das eine gute Nachricht. Ich wünsche Alex Frei gute Genesung. Aber er soll sich Zeit lassen.

Man wünscht einem Gegner nichts Schlechtes. Aber wenn es passiert, dann passiert es halt. Man braucht dann auch keine falsche Traurigkeit zu heucheln.  „Schock für Basel und die ganze Schweiz. Alex Frei für acht Wochen out!“ las ich nochmals die Schlagzeile vor mir. Und lächelte.

FCSG – YB 1:2

22. Februar 2010 um 09:10 von Pele in der Kategorie Matchbericht
Wölfli: 5 Trotz eines Handicaps grundsolide (die Verteidiger mussten seine Abstösse ausführen und auskicken konnte er nur mit links aufgrund einer Fussverletzung). War vor allem bei Standards sehr sicher und liess bei den Cornern keine grosse Gefahr aufkommen.
Dudar: 5 Wie RGS-Bryan richtig erkannte: El Padron! War gestern enorm wertvoll und hielt seine Abwehr auch in hektischen Momenten beisammen. Zudem: enorm starke Kopfballwerte.
Lingani: – Musste nach einer halben Stunde wegen Adduktorenproblemen ausgewechselt werden. Bis dahin ok.
Affolter: 4.5 Hatte sehr viel zu tun, erledigte die meisten Aktionen aber stark. Hat ab und zu noch Mühe mit der Angriffsauslösung.
Hochstrasser: 4.5 Wie immer eine extrem wichtige Arbeitskraft im Mittelfeld. In der Schlussphase gar einer der Offensivsten, jedoch ohne zählbaren Erfolg. Hätte in den hektischen Phasen des Spiels etwas mehr zur Beruhigung beitragen dürfen.
Doubaï: 4.75 Steigert sich von Spiel zu Spiel und beginnt langsam, den Spielaufbau zu ordnen. Aber auch er hätte den einen oder anderen langen Ball sein lassen sollen. Gerade in den hektischen Phasen merkte man: Doubaï ist NOCH kein Yapi. Seine langen Bälle auf die Stürmer sind hingegen erste Sahne.
Sutter: 4.5 Mit einer herrlichen Vorarbeit beim 0:1 – liess gleich mehrere Spieler alt aussehen. Ansonsten bemüht und vor allem defensiv engagiert. In der zweiten Halbzeit leider mit einigen Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung.
Raimondi: 4.75 Obwohl er nach eigenen Aussgane noch nicht 100%ig fit ist, zeigte Mändu eine sehr starke Leistung bei seinem Start-11-Debut in dieser Saison. Hervorragende Vorarbeit vor dem 0:2 und auch sonst sehr fleissig. Es ist Luxus, den Degen-Ausfall mit einem Raimondi kompensieren zu können.
C. Schneuwly  4.5 Wiederum in der Start-11 und wiederum mit einer guten Leistung. Strahlt noch nicht DIE Torgefahr aus, jedoch sehr fleissig und mit einem guten Schuss. Steigert sich von Spiel zu Spiel.
Regazzoni: 5.5 Rega schiesst 2 Tore! Das alleine ist schon Grund genug, den Mann des Spiels besonders hervorzuheben. Doch Rega war auch sonst der fleissigste und engagierteste auf dem Bitz – wie bereits in den beiden Spielen zuvor. Bravo & weiter so!
Lustrinelli: 4.5 Noch keine Woche in Bern, doch bereits in der Start-11 und mit einem Assist – Mauro Lustrinelli ist schneller bei YB angekommen, als dies die Meisten erwartet hätten. Rackerte und kämpfte viel, wenn auch die gefährlichen Aktionen selten waren. Sein erster Treffer wurde ihm vom Schiedsrichter-Trio (noch) verwehrt.
Coly: 3 Coly fügte sich für einmal gar nicht schlecht ins Spiel ein. Hatte eine Chance die knapp am Tor vorbei ging, setzte Thierry Doubaï einmal hervorragend in Szene und hatte kurz vor Schluss die Möglichkeit, endlich einmal wirklich positiv in Erscheinung zu treten: Doch er vergab „plütteraleini“ kläglich vor Vailati. So wird das nichts, leider.
Mardassi:  4.75 Mit einigen hervorragenden und wichtigen Tacklings war Mardassi in der zweiten Hälfte sehr wertvoll. Zeigte eine gute Partie.
Schneider: – keine Note

Fazit:
YB siegte unverdient, war im Online-Blick zu lesen. Der Schiri habe YB unglaublich bevorzugt, als beim 0:1 etwa 3 Berner abseits gestanden waren. Dies ist teilweise richtig: St. Gallen war über weite Strecken die aktivere Mannschaft und YB wurde der erste Treffer geschenkt. Dennoch, aufgrund der vielen gewichtigen Absenzen und dem traditionell schwierigen Auswärtsspiel in St. Gallen, zeigten die Young Boys eine beindruckende Leistung. Nicht spielerisch, jedoch mit Herz, Einsatz und Kampfgeist. Solidarisch kämpfte jeder für den anderen und man opferte sich für das Team bedingungslos auf. Auch wenn die Ostschweizer mehr vom Spiel hatten – ihre Chancen waren grösstenteils alles andere als zwingend. Und: Das Lustrinelli alleine vor Torhüter Vailati fälschlicherweise zurückgepfiffen wurde, ein Foulelfmeter an Hochstrasser nicht gegeben wurde und das sowohl Doubaï, Schneuwly und Coly die Chancen hatte, das Spiel vorzeitig zu entscheiden, wird leider nirgends erwähnt.