Arten von Journalismus

25. Januar 2010 um 09:45 von Biber in der Kategorie Getackelt

Jeden Montag wird unter “getackelt” das verbale Bein ausgefahren und der Gegenspieler vom Ball getrennt. Manchmal fair, manchmal nicht, aber immer auf den Ball gespielt.

Heute lest ihr etwas über die Journalisten und den Sportjournalismus im Allgemeinen. Und das geht so:

Der „heimische“ Journalist.

Das ist der Kerl, der für das Blatt schreibt, das aus der gleichen Stadt wie der Verein kommt. Erste Anforderung im Jobprofil aus Sicht des Fans: Man will einfach am liebsten jeden Tag einen Artikel über die Gelb-Schwarzen im Bund oder in der BZ lesen. Die zweite Anforderung ist da schon etwas schwieriger: Der Artikel muss der Gefühlslage des Fans entsprechen. Hat man schlecht gespielt, dann liest man am liebsten einen Verriss und nach einem Traummatch will man Lobhymnen lesen. Für differenzierte Berichtserstattung bleibt meistens (viel zu wenig) Platz. Hat Doumbia gegen Basel zwei Tore geschossen, dann will der Fan ein Doumbia-Interview, eine Doumbia-Homestory und einen Hintergrundbericht über Doumbias Hamster. Wie Scott Sutter auf der Seite gespielt hat oder dass Affolter bloss zwei Laufduelle verloren hat, interessiert den Leser nicht. Oder ist es doch nicht so einfach? Könnte es etwa sein, dass gewisse Berner Journalisten ihre Leserschaft bisweilen etwas unterschätzen? Vielleicht denken sie, ein paar Kalauer zu bemühen stillt der intellektuellen Durst des Fans? Ich hoffe mal nicht.

Der Analyst

Warum liest man die besten Hintergrundberichte und die messerschärfsten Analysen zu Berner Vereinen in der Neuen Zürcher Zeitung? Mir eigentlich egal. Solange man sie lesen kann.

Der Boulvarjourni

„Yapi geht zu Basel.“ „Doumbia per sofort zu Moskau.“ „Wann geht Doumbia?“ „Raimondi schwängert Wölflis Freundin.“

Diese Überschriften dienen einzig einem Zweck, es sind Blick-fänger. Peinlich. Simpel. Und immer etwas vom Hauche der Dümmlichkeit umweht. Und dennoch erfolgreich. Irgendwie ist dieser Journalismus wie Kotze am Strassenrand. Ekelhaft, aber man schaut trotzdem hin.

Fazit

Obgleich jede Sportjournalistin und jeder Sportjournalist seinen eigenen Schreibstil hat, lässt er oder sie sich einer dieser drei Kategorien zuordnen: Das meiste Schreibwerk unterhält uns gut, nur Weniges regt zum Nachdenken an und ab und zu ist es einfach grottenschlecht. Und selbst über das redet man.