Young Boys – Kommunikationsgötter

29. Juni 2009 um 06:00 von Biber in der Kategorie Getackelt

 Tackling

Jeden Montag wird unter „getackelt“  das verbale Bein ausgefahren und der Gegenspieler vom Ball getrennt. Manchmal fair, manchmal nicht, aber immer auf den Ball gespielt.

 

Der Schweizerische Fussballverband sperrt den Sektor D während des ersten Heimspiels und legt den Young Boys eine Busse von Fr. 30’000 auf. Der Grund ist eine hirnlose Aktion eines Einzelnen, der mit einem Wurfgegenstand per Zufall das Kinn eines Schiris getroffen hat. (Warum ist so etwas eigentlich Kent Ruhnke nie passiert? Bei ihm wäre die Trefferwahrscheinlichkeit um einiges höher.) Seien wir ehrlich, das Urteil ist ein Witz: Es trifft die Falschen und generiert keinen sichtbaren Handlungsbedarf für den verantwortlichen Verein. Die meisten der nun betroffenen Fans haben die Aktion nicht einmal mitbekommen.

Was macht aber der Verein? Der schreibt eilig (anders nicht zu erklären) eine erste, und wohl noch eiliger, eine zweite Erklärung, in der er das Urteil akzeptiert, sich über die zusätzlichen Einnahmen freut (die er gemäss seinen Angaben in ein Fanprojekt (?) stecken will) und gleich alle Ansprüche von zahlenden Fans von vornherein ausschliesst. Beim Lesen solcher Mitteilungen fühle ich mich als bezahlender Abi-Besitzer verarscht. So sehr ich suche, ich findet nichts, was ich falsch gemacht haben könnte. Oder werde ich bestraft, weil ich dem Werfer nicht eins auf die Fresse gehauen habe? Immerhin hofft man seitens von YB auf „eine gewisse Selbstregulierung“?

Vermutlich wäre es mir das Ganze (abgesehen vom verpassten Spiel) herzlich egal, wenn mir nicht vom eigenen Verein ein inexistentes Stadionverbot unter die Nase gehalten würde. Damit gibt der Verein den ganzen Druck seitens des Verbands direkt an die eigenen Fans weiter. Und teilt ihnen auch mit, dass sie ja selber schuld seien.  Es ist mir bewusst, dass sich der Verein in einer Zwickmühle befindet, und sich einem enormen Druck von Politikern und andern Besserwissern ausgesetzt wird. Gerade in dieser Situation wäre es aber angezeigt, Mitteilungen mit etwas mehr Weitsicht zu verfassen, damit zum bereits bestehenden Druck nicht noch weiterer dazu kommt. Und zudem frage ich mich etwas, dass ich nun als Fan jene Projekte finanziere, die der Verein schon lange unterstützen sollte. Nein, ich meine keine Weitwurfseminare, sondern sinnvolle Projekte im Bereich der Fanbetreuung.

Übrigens: Vielleicht fliegt am nächsten Spiel ein Feuerzeug vom Sektor A aus. Wetten, die Reaktion wäre anders?