Luxemburg statt Lissabon

24. April 2013 um 09:41 von Marco in der Kategorie Groundhopping, Redaktionelles

Am Stadtrand von Luxemburg ist Hamm Benfica zu Hause. Ein Besuch in einer obersten Liga, die ein bisschen anders tickt.

Mit 224‘000 Mitgliedern ist Benfica Lissabon (selbstverständlich heisst es korrekt SL Benfica, liebe Clubnamen-Fundamentalisten) der mitgliederstärkste Sportverein der Welt. Der 32-fache portugiesische Meister hat aber nicht nur auf der ganzen Welt Mitglieder und Fans, sonder auch Anhänger, die gleich einen eigenen Verein mit dem Namen Benfica gegründet haben. Während die Immigranten-Vereine in der Schweiz meist ein Schattendasein in unteren Ligen fristen, spielt Hamm Benfica in der obersten Spielklasse seines Landes. Selbst Fussballexperten, die alle UI-Cup-Sieger im Schlaf hinunter beten, dürften beim Namen Football Club Rapid Mansfeldia Hamm Benfica ins Grübeln kommen. Hamm Benfica spielt seit 2007 in der höchsten Liga Luxemburgs und traf dort vor einer Woche zu Hause auf Etzella Etzelbrück. Hamm ist der Name des Stadtteils von Luxemburg, wo Benfica beheimatet ist.

Super Sponsor
Inmitten eines gediegenen Wohnquartiers liegt der Sportplatz Terrain de Football Cents. Während der sorgsam gepflegte Trainingsplatz als Parkplatz für die stattlichen Mittelklassewagen genutzt wird, ist das eigentliche Spielfeld mit einer kleinen Tribüne flankiert. Noch eindrucksvoller ist jedoch das imposante zweistöckige Klubhaus, dessen Fassade von vier Klubwappen geziert wird. Statt eines Atlantikwindes weht eine unangenehme Bise über den Platz. Abgesehen davon könnte man sich schon fast in Portugal wähnen. Im Innern des Kassenhäuschens (Eintritt Erwachsene 8 Euro) hängt eine portugiesische Flagge. Auch der bekannteste Bierbrauer Lusitaniens Superbock ist bei Hamm Benfica omnipräsent. Als Biermarke darf Superbock sogar als Leibchensponsor werben, was für den Besucher aus dem Land, das sogar Werbung von Wettanbietern verbietet, eine willkommene Überraschung ist. Einen weiteren Sympathiepunkt gewinnt Hamm Benfica am Bierstand. Selbstverständlich wird Superbock ausgeschenkt – doch nicht etwa in abgestandenen Plastikbechern, sondern in handlichen 0,33 cl-Fläschchen, das Stück zu zwei Euro. Glasflaschen im Stadion der obersten Liga – Käser würde glatt seine Pfeife verschlucken.

Vermisste portugiesische Leichtigkeit
Das Spiel zwischen den beiden Mannschaften, die meines Wissens alle aus Amateuren bestehen, fand in der ersten Halbzeit auf erschreckend tiefem Niveau statt. In meiner Vorstellung siedelte ich die luxemburgische Nationaldivision etwa auf 1. Liga-Niveau an. Doch in Hälfte eins wären Hamm Benfica und Etzella Etzelbrück in den höchsten Schweizer Amateurligen gnadenlos überfahren worden. Kaum ein Pass kam an und harte Fouls prägten das Spielgeschehen. Die 158 Zuschauer bestanden mehrheitlich aus älteren Exil-Portugiesen, die ihrem Unmut über das Spiel in einem Kauderwelsch aus Lëtzebuergesch und Portugiesisch freien Lauf liessen. Trotzdem stand es zur Pause 1:1. Zuerst ging Hamm Benfica nach einem YBesken Abwehrfehler von Etzelbrück in Führung. Wenige Minuten später das gleiche auf der anderen Seite.

Nach dem Seitenwechsel verbesserte sich das Spiel deutlich und nährte sich 1. Liga Promotion-Niveau. Beide Mannschaften, im Mittelfeld der Tabelle klassiert, spielten nach vorne und generierten mehrere Chancen. Abermals war es das Heimteam, das nach einem Freistoss schnell reagierte und die Führung übernahm. Von da an war Hamm Benfica stärker, was die Rentner-Gruppe mit einem anerkennenden Nicken quittierte. Nach dem 3:1 von Hamm Benfica war das Spiel entschieden, daran änderte auch der Anschlusstreffer von Etzelbrück nichts mehr. Nach dem Spiel zogen sich einige der Zuschauer sogleich ins warme Klubhaus zurück. Andere hingegen rollten mit ihren Autos vom Trainingsplatz, welcher der Belastung problemlos standhielt und fast ein wenig an das Grün im Estadio da Luz erinnerte.

Sportunion Neckarsulm – SSV Ulm 1846 5:4 n. P.

17. April 2013 um 17:47 von Jänu in der Kategorie Groundhopping, Unsere Zweiten

Beim Lesen des Titels dürften sich einige verwundert die Augen reiben. Den SSV Ulm kennt man als Fussballfan noch einigermassen, immerhin spielten sie vor gut zehn Jahren in der Bundesliga mit einem gewissen Martin Andermatt an der Linie. Mittlerweile sind die „Spatzen“ nach zwei Konkursen in der Regionalliga Südwest angekommen und streben in absehbarer Zeit nach dem Aufstieg in die 3. Bundesliga. Diese Saison wird dies allerdings noch nichts. Neckarsulm hingegen ist weniger bekannt. Die Sportunion spielt drei Klassen tiefer in der Landesliga, in der sie ihre Gruppe souverän anführt. Am 9. April 2013 trafen die beiden Mannschaften im Rahmen des wfv-Pokal-Halbfinals aufeinander. Dem Sieger des wfv-Pokals ist die Teilnahme in der 1. Runde des DFB-Pokals gewiss, was natürlich nicht nur die Kassen füllt, sondern für jeden Nicht-Bundesligisten eine Seltenheit darstellt. 

Fünf junge Männer machten sich also am Dienstagmorgen auf, um von Bern nach Neckarsulm zu reisen. Alle mit schwarz-weissen Ulmer Fanutensilien, genug Bier, ungesundem Essen und viel Zuversicht bepackt. Schon oft war man in Ulm gewesen oder mit den Spatzen an ein Auswärtsspiel gefahren, doch noch nie an einem Pokalspiel. Da lohnte es sich doch, auch mal frei zu nehmen oder die Uni mal Uni sein zu lassen.

Nach den ersten Schäumen auf dem Weg nach Karlsruhe ging es von dort weiter mit einer tramähnlichen S-Bahn (notabene ohne WC!) nach Heilbronn und dann nach Neckarsulm. Beim Sportplatz angekommen, gab es erstmals ein freudiges Wiedersehen mit den Ulmer Jungs und ein Bier in der Sportgaststätte. Danach gingen wir ins „Stadion“ rein. Und siehe da, kurz vor Spielbeginn lachte die Sonne über dem kleinen aber feinen Gästeblock. Von Stadion zu sprechen, wäre in der Tat vermessen, immerhin gab es eine kleine Betonrampe und auf der Gegenseite schien das ganze Dorf auf der Terrasse des Klubhauses, Platz gefunden zu haben.

Anpfiff.

Der SSV wurde seiner Favoritenrolle schnell gerecht. Massig Ballbesitz, viele gute Spielzüge, doch der letzte Zug zum Tor fehlte. Grosschancen konnten kaum raus gespielt werden und die Neckarsulmer waren mit ihren Konter stets gefährlich. Wir Berner kamen uns also sofort wie zu Hause vor.

Als der Bierbecher wieder voll und die (erste) Wurst gegessen war, war auch schon Wiederanpfiff. Nach der ersten torlosen Halbzeit, folgte die zweite torlose Halbzeit. Am Bild änderte sich dabei nicht viel. Ulm machte weiterhin das Spiel und die Sportunion versuchte mit Kampf, Wille und Einsatz kein Gegentor zu erhalten und lancierten ab und an einen gefährlichen Konter.

So war es also die Verlängerung, die die Entscheidung bringen musste. Oder auch nicht… Denn auch in den 30 Zusatzminuten änderte sich wenig bis gar nichts. Die Spatzen fast permanent in Ballbesitz, aber Zählbares schaute nichts heraus. Der Neckarsulmer Abwehrriegel hielt dich.

So kam es zum befürchteten Elfmeterschiessen. Plötzlich spielten die drei Ligen unterschied keine Rolle mehr. Holger Betz, der Ulmer Torwart, wurde nun lautstark aus dem Gästeblock angefeuert, doch bringen sollte es, wie wir uns das gewohnt sind, natürlich nichts. Neckarsulm verwandelte alle fünf Elfer, während ein Ulmer verschoss. Verdammt. Aber irgendwie fühlten wir Berner uns immer wie mehr wie zu Hause. Pokalniederlagen gegen Unterklassige, es scheint als können wir nie genug davon kriegen. Was wir schon lange vermutet haben, bewahrheitete sich nun also. YB und der SSV, das passt irgendwie.

Danach nahmen wir denselben Rückweg allerdings mit etwas hässigerem Bahnpersonal. So werde ich aber die Stunde nie vergessen, die wir zusammen am Bahnhofsteig stehend, in Eppingen verbrachten. Und das alles nur weil wir Bier tranken in diesem Tram/Zug. Zum Glück fuhr dann doch noch so ein Gefährt eine Stunde später und wir kamen mehr oder weniger wohlbehalten in Karlsruhe (und nein, das liegt nicht in Burkina Faso) an. Nachdem wir verifiziert hatten, dass alle Taxifahrer Millionäre sind, ging es auf dem kürzesten Weg ins Bett. An dieser Stelle grossen Dank an L. für die wunderbare Gastfreundschaft!

Fazit: Super Reise. Freudiges Wiedersehen. Scheiss Spiel. Als Berner fühlte man sich also rundum wohl.

„Auf grosser Fahrt“ – Stadionkritik von Wahliassinho

9. August 2011 um 11:03 von Pele in der Kategorie Groundhopping

Es ist wieder einmal soweit: der Besuch eines Auswärtsspiels steht an! Das Ziel: Luzern mit seiner neuen topmodernen Swisspor Arena. In Horw raus und dann Richtung Allmend. Der Herr mit Regenschirm scheint nicht ortskundig zu sein und parkiert sein Opel Vectra beim ersten Anzeichen eines Staus auf einem freien und legalen Parkplatz – Memme geht mir nur durch denn Kopf. Eskortiert von der Polizei kommt das Stadion immer näher. Ah da, der Parkplatz. Leider fehlt uns die rosarote Parkkarte – dem Lotti aus Bern übrigens auch. Der Herr mit Regenschirm schlendert vorbei und raucht.

Was glänzt den da vorne? Das Stadion? Nein! Es sind zahlreiche Zäune, die Automobilisten daran hindern, dass Auto zu parkieren und zur Swisspor Arena zu laufen! Hand-kehr-um: wer will schon auf einer Baustelle parkieren… Doch plötzlich, nachdem wir feststellen mussten, dass wir auch keine grüne Parkkarte besitzen, erhebt sich die Swisspor Arena wie Phönix aus der Asche! Blaue Parkkarte? Leider auch nicht dabei.

Bereits sind zahlreiche Fans ums Stadion und rätseln über den Ausgang des Spiels (als ob das ein Rätsel wäre). Der freundliche Securitas-Mann – oder war es doch eine Frau – winkt uns immer weiter weg vom Stadion. Die orange Parkkarte ist leider auch nicht vorhanden. So muss halt ein Firmen-Parkplatz weit weg vom Stadion reichen. Zu Fuss machen wir uns wieder zurück zur Swisspor Arena wo der Herr mit Regenschirm bereits an einem Bier nippt.

Wieso kommen uns alle YB-Fans entgegen? Egal, die sind bestimmt nicht richtig, denn angeschrieben ist ja nichts. Schnell findet man den Eingang in den goldenen Tempel. Nach kurzem Zögern finden wir den Cash-Card-Mann (nein, er sitz nicht in einem engen Häuschen und verkauft Jetons) und kaufen eine Karte für Getränke. Eigentlich ein System, dass überzeugt, da man den Restbetrag in jeder Migros Filiale auf dieser Welt einlösen kann – mit Bargeld übrigens auch! Das Bier (Fr. 5.50) schmeckt. Ein Teil der alten Tribüne steht auch noch.

Drinnen im Stadion erinnert sehr viel an die neue Abflughalle in Zürich-Kloten. Schwindelgefühle befallen uns nicht. Kaum ist der erste Becher Bier ausgetrunken, steht eine sehr freundliche Bierdame neben uns und offeriert uns gegen Bar-Bezahlung ein Bier. Den Abfall nimmt sie gerne zurück. Schnell noch eine Wurst verdrücken und ab gehts ins Herz des Stadions: ob fünf Pissoirs den Ansturm in der Pause bewältigen können…

Dreiviertelstunde vor Matchbeginn werden wir mit einer lauten und sehr eindringlichen Stimme darauf aufmerksam gemacht, dass soeben Lehmann den Rasen betreten hat. Leider verpassten wir dieses Highlight, da die Monitore noch nicht eingeschalten waren. Diese einzuschalten, scheint uns eine Herkulesaufgabe zu sein. Insbesondere wenn die Batterien in der Fernbedienung langsam den Geist aufgeben:

 

Der Sitzplatz ist schnell gefunden. Der Blick in den Gästefansektor wird einem durch einen äusserst massiven (Raubtier-)Käfig verwehrt. Es sitzt sich sehr angenehm. Leider kann dieser Genuss nicht all zu lange genossen werden, da man sich jedes Mal erheben muss, wenn jemand durch will… Die Sicht sehr gut und das Stadion macht einen netten Eindruck.

Bald einmal drückt die Blase aber man will ja nicht unhöflich sein und bleibt bis zum Pausenpfiff sitzen. Der Sturm auf die Toilette hat sich gelohnt, denn kurze Zeit später war hoffentlich nur der Eingang verstopft. Leider war es nicht nur der Eingang, sondern der ganze Cattering-Bereich. An eine Wurst oder ein Bier ist nicht zu denken.

Piep-pipipiiiiiiiep: Was ist jetzt? Zwischenstand FCZ-GC 3-0. piep-pipipiiiiiiiep: Gelb gegen Ferreira. Lasst doch dieses Geräusch bei jeder Ansage. oder macht es leiser!!!

Nach dem Spiel nehmen wir unseren Abfall mit, entsorgen ihn in den entsprechenden Containern und strömen mit der Masse nach draussen. Damit man nicht ständig in eine Pfütze tritt, kann man bequem auf dem Ablauf, der praktischerweise leicht erhöht ist, trockenen Fusses aus dem Stadion gelangen.

Fazit: Eine schöne Arena, halt alles ein bisschen kleiner und enger als bei uns – und wieso hat der Herr einen Regenschirm dabei – Memme!

Birkirkara F.C. (Malta) – KS Villaznia (Albanien) 0:1

8. Juli 2011 um 23:40 von Schiri in der Kategorie Groundhopping

Eine lange und intensive Fussballsaison ging vorbei – neun Tage Ferien in Malta erwarteten meine Kollege und mich – wir wollten den ganzen Mist rund um die Kugel einfach mal vergessen und nichts ausser relaxen und Party feiern. Wollten…

Am ersten Abend wurde ich von fünf unbekannten Handynummern per SMS terrorisiert, als schlechter Schiri oder was auch immer. Erst hatte ich Panik, es sollte sich später herausstellen, dass es sich um YB-Kumpels handelt, die beim Spiel Biel-YB nichts besseres zu tun hatten als mich per SMS zu attackieren… Wer es war, verrate ich nicht, einer ist nicht dünn und mag Hamburger (und einen Verein dort), der andere ist klein und Asiate. Letzterer rief mich sogar später noch an um sich für den Terror zu entschuldigen, was lieb war und darum mag ich ihn sehr. Noch mehr mag ich ihn aber, weil er mich dann fragte, wo ich sei. „Malta!“ Und schon hatte der Kollege – seines Zeichens ein grossartiger Hopper- auswendig im Kopf, dass in exakt der Woche, in der wir in Malta sind, ein EL-Spiel stattfindet und wir doch unbedingt dorthin gehen sollen.

Lange Vorgeschichte – kurzer Sinn. Zufälligerweise kamen wir also in den Genuss einer EL-Partie – der Hibernians Ground in Paola auf der Hauptinsel lud uns zu einem herrlichen Fussballabend ein. Vor rund 1000 Zuschauern (wovon ca. 20 regelmässig Lieder sangen) lieferten sich 22 Kicker ein passables Spiel, das wir ungefähr auf ordentliches Challenge League-Niveau einstuften. Was wir damals noch nicht wissen konnten: Der FC Thun wird uns den Beweis liefern können, ob wir richtig lagen. (@FC Thun: Guter Rat ist teuer!).

In Malta setzten sich die Albaner mit 1:0 durch, das einzige Tor fiel nach einem Zuckerpass und einem herrlichen Heber nach gut 30 Sekunden. Einige Spieler beider Mannschaften waren technisch sehr versierte Fussballer, das Engagement stimmte, leider hatten beide Teams kaum ein anständiges Passspiel zu bieten, so kam es zu enorm wenig Torszenen. Für diverse Aufreger sorgten der schwache andorranische Schiedsrichter und die unnötigen Affengeräusche, die die Malteser in der Schlussphase produzierten, wenn #6 des albanischen Teams den Ball berührte. Dennoch waren die fünf Euro Eintritt jeden Cent Wert.

In der einzigen Imbissbude im Stadion wurden einige ordentliche Sandwiches und Snacks serviert. Sensationell war zudem die Tatsache, dass unsere lieben Freunde dort den San Benedetto Ice Tea verkauften, ich bin heute noch begeistert! Das ist einfach nur noch geil und dann noch für schlappe 1,50 Euro! Ein Traum für jeden Geniesser! Vom Übergenuss wird dennoch abgeraten: Die WC’s sind sehr übel zugerichtet 😉

Wir werden uns beim Heimspiel gegen Basel bei M.A. fürstlich für diesen tollen Tipp bedanken.

@Webmaster: Ich habe keine Ahnung mehr, wie man hier Bildli inen tut! Darum kann ich den interessierten Lesern keine Bilder hier anbieten, per Mail schicke ich euch aber gerne welche. Einfach bei mir melden, in dem ihr diesen Satz anklickt!

 

Auswärts bei … FSV Frankfurt

4. Januar 2011 um 11:00 von Biber in der Kategorie Groundhopping

Verfasst von Lugi. Merci!

Deutschland hat „die beste 2. Liga der Welt“. Wenn diese Bezeichnung auch von einem deutschen Pay-TV inszeniert wurde, es hat was. Attraktive und hart umkämpfte Spiele, Spannung bis zum letzten Spieltag, ausreichend Medienpräsenz und Polemik. Zudem garantieren die zwischenzeitlich immer wieder in der 2. Liga „herumgurkenden“ Traditionsklubs wie Lautern, Nürnberg, Köln, Gladbach und die schön länger sesshaften Löwen oder Aachen für Zuschauerkulissen, die bei uns Schweizern auch in der Super-League für die meisten Klubs unerreicht bleiben. Die ganze Liga? Nein, es gibt noch einen unbeugsamen Verein, der sich dagegen stemmt.

 Tatort ist das Frankfurter Volksbank Stadion und was für ein Spiel steht an, der Tabellenzweite und Aufstiegskandidat FC Augsburg und die überraschend Tabellensechsten des FSV Frankfurt spielen um die zwischenzeitliche Tabellenführung der Liga. Das Fernsehen zeigt live und sogar die erste Mannschaft des FC Schalke 04 lässt sich diese Spektakel auf dem Weg nach Mainz nicht entgehen. Doch … in das baufällige Stadion am Bornheimer Hang verirren sich bei Schneeregen und Kälte gerade mal 3’500 Zuschauer.

Trotzdem, die Stimmung war alles in allem gut und das Catering gar ausgezeichnet. Für die gesamte Gegentribüne stellen sie doch einen ganzen Container hin (siehe unten). Dafür punkten sie mit einem grossen Angebot, freundlicher Bedienung und einer geschätzten Bierwartezeit von 0.2 Sekunden. Gut, letzteres hat vielleicht damit zu tun, dass wir die einzigen Bierkonsumenten im ganzen Stadion waren (Glühwein gehört ja aber auch auf den Weihnachtsmarkt und nicht an Fussballspiele) und entsprechend der Zapfhahn bereits aktiviert wurde, wenn wir nur gehustet haben, aber dennoch, nicht schlecht. Da können unsere Caterer aber so was von davon lernen (und unbedingt Curry-Wurst ins Sortiment aufnehmen!).

Fussball gespielt wurde auch. Trotz dem tiefen Terrain sogar ganz ansehnlich, auch wenn richtig grosse Chancen eher Mangelware blieben. Nach eher glücklicher Führung der Einheimischen haben die Favoriten das Tempo erhöht und das Spiel verdient noch mit 1:2 gewonnen. Allein der Siegestreffer, ein herrlicher Seitfallrückzieher kurz vor Schluss, war den Eintritt wert. Ein unterhaltsamer Nachmittag in gemütlicher Provinzatmosphäre, wo Befreiungsschläge der Spieler auch mal auf der gleich nebenan liegenden Autobahn landen und die S-Bahn zum Spiel noch Sitzplätze für alle bietet. Irgendwie ein bisschen wie früher.

 Fazit: Spektakel und volle Ränge sucht man hier wohl vergeblich. Gemütlichkeit und schon fast ein wenig Nostalgie lohnen dennoch einen Besuch.

Fortuna Düsseldorf – Hansa Rostock 3-1

11. Mai 2010 um 16:00 von Biber in der Kategorie Groundhopping

Letzten Sonntag hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, das hoffentlich letzte Spiel der Hansa Rostock in der zweiten Bundesliga zu sehen. Das Spiel endete nach krasser Überlegenheit der Düsseldorfer 3-1. Zu reden gab aber leider etwas ganz anderes.

Beim Spiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hansa Rostock stand nach Angriffen mit Knallpetarden durch die Rostocker mehrmals kurz vor dem Abbruch. Erst nach mehreren Unterbrüchen und Einwirken der Rostockspieler auf ihre Fans, konnte die Partie wieder aufgenommen werden. Dabei waren aber die Vorfälle am Spiel nur eine logische Fortsetzung: Bereits seit ihrem Eintreffen in Düsseldorf wüteten Rostockfans in der Innenstadt. Am Vorabend griffen betrunkene Rostocker nach einer Schiffstour wahllos Passanten und später Polizisten an. Die Bilanz : 14 verletzte Polizisten, rund 160 verhaftete Rostockfans und ein Sachschaden in unbekannter Höhe. Während dem Spiel ging es in ähnlichem Stile weiter. Auch hier gab es Verletzte: Ordner, Polizisten, ein Kamramann und der Schiriassitenz erlitten primär Gehörschäden. Angesichts der Löcher, welche die Petarden in den Rasen sprengten und der Gewaltbereitschaft seitens der Rostocker ist es fast verwunderlich, dass nicht noch mehr passierte.

Was aber besonders zu denken gibt, ist die Verharmlosung der Vorfälle seitens der Hansa Rostock. Ich zitiere:

„Wenig später wird die Partie von Schiedsrichter Wolfgang Stark für insgesamt 18 Minuten unterbrochen, weil zunächst im Rostocker Block und anschließend auch in der Fortuna-Kurve Feuerwerkskörper abgebrannt werden.“ (offizieller Spielbericht der Hansa)

Die Fortunafans zündeten einen Bengalo, während die Rostocker Knallpetarden auf Menschen warfen, unter anderem den eigenen Torwart, mit der Folge, dass mehrere verletzt wurden Im übrigen distanzierten sich die Ultras der Fortuna bereits während dem Spiel vom Fackelzünder und versicherten „den Schuldigen zu suchen“.

„Das sind keine Fans sondern Einzelne, die sich darunter mischen (Kapitän Tim Sebastian)

Wenn von den angereisten rund 1’000 Fans am Vorabend 160 verhaftet werden und im Stadion immer noch massenhafte Vermummte Petarden schmeissen, dann frage ich mich, ob sich nicht eher ein paar einzelne Fans unter den Pöbel gemischt haben.

Natürlich kann man getrost weiterfahren, solche Vorfälle zu verharmlosen und von Einzelfällen zu reden. Tatsache aber ist, dass die Rostockfans mit ihrem Verhalten nicht nur den eigenen Torwart vor dem wichtigen Relegationsspiel verletzt und dem Verein einen grossen Imageschaden zugefügt,  sondern auch dem Fussball als Ganzes geschadet haben.

Ach ja, apropos Fussball. Der wurde natürlich auch gespielt. Fortuna, bei der es um eigentlich nichts mehr ging, schoss Rostock mit einem 3-1 in die Relegation. Sollten sie absteigen, wird sie niemand vermissen.

Gastbeitrag: Strømmen – Drømmen

24. Juni 2009 um 22:06 von Voegtu in der Kategorie Groundhopping

In unregelmässigen Abständen berichtet Voegtu von seinen Reisen in die weite Welt des Fussballs. Heute: Oslo.

Nach der geglückten Landung in Oslo steuerten wir sofort die erste Würstchenbude an. Hotdogs sind schliesslich eine Spezialität im Norden. Obwohl das durchaus lecker war, hatte das Würstchen einen bitteren Nachgschmack. Wir mussten leider feststellen, dass sich alle Prognosen nun bewarheiteten: “Passt auf, Oslo ist imfall schweineteuer unddas hat nichts mit der Grippe zu tun.” Item. Wir hatten vorgesorgt und jeweils die maximal erlaubte Menge Schnaps und Bier in die norwegische Hauptstadt eingeführt.

IMG_0020Flugs machten wir uns auf den Weg zu unserem Gemächern auf dem Camping-Platz Ekeberg mit schönem Blick über die ganze Komune. Husch das Zelt aufgebaut, den ersten Schaum geköpft und schon giengs Richtung Fussball. Die erste Station hiess Strømmen, ein Örtchen aussehalb Oslos, wo eine spannende Drittligapartie auf uns wartete. Der Gegner hiess Eidsvold TF. Ein Derby also.

In Erinnerung bleibt nicht nur die nette Betreuung der Verantwortlichen inklusive Rundgang durch die Kabine des Heimteams. Auch die Anfeuerungsrufe Strømmen – Drømmen waren durchaus gross, wenn auch nicht lautstark oder häufig. Übersetzt heisst das übrigens Strømmen ist ein Traum. Das Spiel war kein Traum, obwohl wir beim 4-2 Sieg des Heimteam viele Tore sahen. Niveaumässig können die norwegischen Drittligisten gäbig mit Oberdiessbach mithalten.

IMG_0064Nach der Rückfahrt in die Innenstadt wartete das pulsierende Nachtleben in Oslo. In einer vom Pub zur Pianobar umfunktionierten Lokalität warteten heisse Stunden auf uns. Fünf bis sieben spärlich bekleidete Mädels feierten eine ausgelassene Party. Dass sie dabei sowohl Streicheleinheiten als auch Körperflüssigkeit austauschten, soll hier nicht von Belang sein.

Viel Interessanter ist doch das Fussballspiel am darauffolgenden Tag, das in Stabaek in einer Topmodernen Halle stattfand. Neuerliches Lesen ist unnötig, es war effektiv eine geschlossene Halle ohne Schiebedach. Diese verfehlte ihre Wirkung nicht. Wengie Fans genügten, um eine relativ beeindruckende Kulisse zu erzeugen. Das Niveau war in der ersten Liga deutlich besser als zwei Etagen tiefer. Sehr schnelles Spiel, viele Torchancen – allerdings kein Pyro. Indoor-Fackeln sind wohl noch nicht erfunden. Das Spiel gewann übrigens das Heimteam gegen IK Start Kristianssand klar und deutlich mit fünfzunull.

Leider spielte Lyn Oslo zeitgleich im Nationalstadion. Weitere Spiele lagen terminlich nicht drin. Wir besonnen uns aufs wesentliche und verinnertlichten noch unsere Schnapsvorräte und warteten auf den Sonnenuntergang. Das dauerte, wie Norwegenkenner wissen. Bis bald, in Helsinki.