Michi Frey / FC Basel – BSC YB 3:1

2. September 2014 um 11:02 von Pele in der Kategorie Matchbericht, Redaktionelles, Spielerbewertungen, YB

Eigentlich sollte der Spielbericht zum 1:3 in Basel gestern online gehen, doch die Tagesaktualität hatte diesen Vorgang irgendwie ad absurdum geführt. Zuviel wurde über den drohenden Abgang von Michi Frey spekuliert, zu sehr rückte das Spiel in Basel dadurch in den Hintergrund.

Es war eigentlich wiedermal ein typisches YB-Wochenende mit Hochs und Tiefs: Mit Hoarau konnte ein toller Transfer getätigt werden, welchen man sich mit der Qualifikation für die Gruppenphase redlich verdient hatte. Anschliessend folgte ein Dämpfer gegen Basel, und mitten in der Aufarbeitung des Geschehenen folgte ein unerwarteter Tiefschlag, welcher am Montag kurz vor Mitternacht in einem mentalen Fan-K.O. endete.

Gewiss: Es ist legitim Herausforderungen zu suchen und diese anzunehmen. Ebenso ist klar, das Michi durch seinen Biss und den unbändigen Willen den einen oder anderen talentierteren Konkurrenten in die Schranken weisen kann. Ebenso ist eine solche Chance für einen Fussballprofi nicht vergleichbar mit anderen Arbeitnehmern, da man nie weiss ob nochmals ein Angebot in dieser Grössenordnung kommt – geschweige denn ob man sich im nächsten Spiel verletzt und möglicherweise nie mehr ein Profiniveau erreichen kann. In Freys Umfeld gab es leider zuletzt viele derartige, eventuell abschreckende Beispiele (Doubaï, Simpson, mit Abstrichen Gerndt und Bürki) die ihm die gesundheitliche Abhängigkeit als Profi vor Augen führten.

Das Problem ist meiner Meinung ein Anderes:

Würde sich die ganze Geschichte von gestern um Flo Hadergjonaj, Gregory Wüthrich oder Leo Bertone drehen, wären ebenfalls alle enttäuscht und würden sich dahingehend äussern, dass der Schritt zu früh kommt und der Spieler selber schuld ist. Das Ganze würde aber nach ein paar Tagen unter „war mal bei YB“ verbucht und wohl bald einmal vergessen werden.

Das Problem bei Michi waren und sind die etlichen Bekenntnisse eines Berner Giels, aus Münsingen, der für den Herzensverein spielt und dies auch immer betont hat. Frey gab den jungen Anhängern aber auch den alten, bereits abgestumpften Fans ein Stück Hoffnung zurück, dass in der modernen Football/Business/CoreCompetitions- Welt doch noch ganz, ganz vereinzelt treue und natürliche Figuren zu finden sind. Im Gegensatz zu allen anderen blumigen Söldner-Versprechungen, nahm man es Michi ab, dass er bei YB etwas aufbauen will, dass er „irgendwann mal“ wechseln werde, aber dass es nicht eile.

Dieses bisschen Hoffnung wurde nun jäh zerstört, und das ist auch der Grund, weshalb die Emotionen dermassen hoch kochen. Sportlich wird der Abgang bis Winter kompensiert werden, sollte Afum seine Leistungen aus dem Basel-Spiel regelmässig bestätigen können und Hoarau nur einen Bruchteils seiner Fähigkeiten einzusetzen vermag. Und finanziell schaden uns die „Frey-Millionen“ bestimmt nicht.

Michi Frey wünsche ich dennoch alles Gute und viel Erfolg – leicht gefallen ist ihm diese Entscheidung sicher nicht. Und auch wenn ich aktuell noch nicht daran denken mag, freue ich mich darauf, Michi in ca. 8-10 wieder im Wankdorf beklatschen zu können.

Aber der naive Glaube an den treuen „Fan-Profi“ und die „Herzensangelegenheiten“ ist seit gestern Abend wohl für immer gestorben.

Hopp YB!

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Ah ja, das Basel-Spiel! YB spielte wohl eines der besten Spiele im Joggeli seit Ewigkeiten. Leider führten 3 individuelle Fehler zu unglücklichen Gegentoren, welche mit viel Pech und Unvermögen nicht aufgeholt werden konnten. Mehrmals zwangen die Gelbschwarzen das Momentum auf Ihre Seite – leider ohne dieses dann auch auszunützen. Kann man diese Leistungen aber beibehalten und darauf aufbauen, stehen wir vor einer schönen Saison.

Die Noten:

Mvogo 4.5/ Das ewige Goalie-Lied: Kaum Möglichkeiten sich auszuzeichnen und dennoch 3 Tore gefressen.

Rochat 4.5/ läuft beim 1:0 leider nicht mit, daher der Abzug. Ansonsten eine sehr engagierte Leistung mit überraschend vielen (aber sehr unglücklichen) Offensivaktionen.

Wüthrich 4.5/ Streller hatte Mühe gegen den jungen aber unerschrockenen Abwehrhühnen.

Von Bergen 3,5/ Grundsätzlich eine gute Partie des Chefs – aber leider mit 1,5 Fehlern die gleich zu Gegentoren führten.

Sutter 4.5/ solide Leistung, betrieb viel Aufwand.

Hadergjonaj 4.5/ dito. Erstaunlich wie abgeklärt der Jungspund manchmal schon wirkt.

Gajic 3/ Den Penalty verzeihe ich ihm, passiert den Besten. Aber trotz der 1-2 schönen Offensivaktionen, agiert er zu fehlerhaft im Aufbau und seine Zweikampfführung ist und bleibt lasch.

Sanogo 5/ Eine Maschine, ein Motor, ein toller Spieler!

Steffen 4/ für einmal nicht so auffällig wie zuletzt aber dennoch mit der einen oder anderen starken Aktion.

Afum 5/ Bestes Spiel seit langem im YB-Dress – nicht zuletzt wegen dem Last-Minute-Abgang von Frey bleibt zu hoffen, dass er nun den Knopf aufgemacht hat.

Nuzzolo 5.5/ Bester YB-Spieler.

Lecjaks/Frey/Kubo -/ keine Noten

Uli 4.5/ gut aufgestellt, leider bzgl der Zuteilung von Gashi etwas spät reagiert. Die Leistung trotz frühem 2-Tore-Rückstand spricht aber sowohl für das Team als auch für den Trainer und Staff. Der Geist im Team stimmt, genauso wie die Moral.

Fredy Bickel, ich weiss was du letzten Sommer getan hast…!

17. Juli 2013 um 14:30 von Cabrón in der Kategorie Redaktionelles, YB

 

Abgänge 1. Mannschaft (6): Benito, Farnerud, Gonzalez, Martinez, Nef, Raimondi

Sonstige Abgänge (7):  Alioski, Coly, De Pierro, Lingani, Mveng, Pasche, Traore

Zugänge (7): Gajic, Kubo, Rochat, Sessolo, Steffen, von Bergen, von Ballmoos,

Noch Vertrag bei YB: Naili, Silberbauer, Tosetti, Vitkieviez,

 

Bei YB ist ausgemistet worden schreiben die Berner Medien. Der Kader von 40 auf 25 verkleinert und das Fanionteam erstrahlt in einem neuen Gesicht – so sagt man. Ist dem wirklich so? Fakt ist, dass YB in der 1. Mannschaft 6 Abgänge verzeichnet, wobei Benito nie eine Rolle spielte und Martinez, der wie Gonzalez für ein Jahr ausgeliehen wird, meist im Kader der U21 stand. 

(Who the f**k is) Naili, Silberbauer, Tosetti und Vitkieviez haben noch immer einen Vertrag bei YB oder spielten am Ende der letzten Saison bereits nicht mehr in Bern und können somit eigentlich nicht zu den Abgängen gezählt werden. Zählt man aber De Pierro, Mveng, Pasche, Lingani, Traore, Coly und Alioski mit dazu so kommen wir auf 11 definitive Abgänge. Klar betreffen nur deren 4 die 1. Mannschaft aber schlussendlich wurden auch sie aus dem gleichen Portemonnaie bezahlt. 

Den Abgängen gegenüber stehen 7 Neuzugänge. Von Ballmoos und Sessolo aus der eigenen Jugend, Kubo aus einem Japanischen Kuckucksei und Gajic, von Bergen und Rochat aus… Züri West, schiins. 

6 weg und 7 neu dazu! Auf den zweiten Blick erscheint es als sei die grösste Leistung von Fredy Bickel die, dass er den Kader zwar vergrössert hat, ihn aber trotzdem als kleiner verkauft. Auf den dritten Blick sieht man, dass man sich auch dieses Jahr über die Qualität der Neuzugänge streiten kann aber das Gesicht der Stamm11 wie geplant auf jeder 4. Position und in der Achse verändert wurde. YB plant mit einem neuen Trainer, welcher auch ein (neues) System vertritt. Es zeichnet sich seit Jahren wieder einmal eine Vereinsphilosophie ab und nicht zuletzt wird die Lohnsumme massiv gesenkt. Wie schnell und wie gut das Team und der Verein nun diese Voraussetzung umsetzen und nutzen kann wird sich zeigen. Klar ist aber schon jetzt: YB soll wieder Freude machen und Bern steht hinter seinem Team (auch ohne Hauptsponsor) und seinem Sportchef – dem emsigen Hoffnungsträger.

Auf ein Neues und Hopp YB!

Inkonsequent und heuchlerisch

4. Juni 2013 um 13:30 von Pele in der Kategorie Getackelt, Redaktionelles, YB

„Jetzt spricht Fortes Mamma!“ titelt die Zeitung mit den fünf Buchstaben heute.
Drei Tage sind nun seit der Verpflichtung Uli Fortes verstrichen und noch immer rauscht es gehörig im Blätterwalde.
Aber warum eigentlich?

OK, der Wechsel zu YB kommt für alle überraschend. Schliesslich hat Forte eine sehr starke Saison mit dem Fast-Absteiger GC hinter sich, gewann den Cup und spielte – zumindest theoretisch – bis zur letzten Runde um den Titel mit.
YB hingegen hat die schwächste Saison seit gefühlten 20 Jahren hinter sich und spielt zum ersten Mal seit langem nicht europäisch.
Ein klarer Fall für den geneigten Beobachter: So ein Wechsel macht keinen Sinn.
Macht er doch, schliesslich hat Uli Forte seine Gründe (ob für andere nachvollziehbar oder nicht) klar dargelegt und sich, deutlicher als kaum ein Trainer je zuvor, erklärt.
Auf diese Gründe und die Verpflichtung will ich gar nicht gross eingehen. Ich freue mich auf den neuen Coach und traue ihm Einiges zu. Da aber noch diverse Zu- und vor allem Abgänge zu erwarten sind, wehre ich mich gegen verfrühte Euphorie.

Was mir sauer aufstösst, ist aber die Berichterstattung zu diesem Wechsel.
Klar: Eine grosse Sportredaktion des Landes dürfte am Samstag Vormittag ziemlich leer geschluckt haben. Schliesslich hat man auf der Titelseite bereits Ciri Sforza zum Trainer ernannt, der es aber bekanntlich nicht wurde. Das darf einem auch mal im Stolz kränken und scheint auch dazu zu berechtigen, diesem Thema in der Sonntagsausgabe ganze 6 (in Worten: sechs!) Seiten zu widmen.
Mitunter durfte sich „GC-Edel-Fan“ (bitte auf der Zunge zergehen lassen) Roman Kilchsberger äussern und sowohl Forte als auch Uns-Fredy als Heuchler und Lügner bezeichnen. Einfach so.

Was soll dieses empfindliche Gedöns?
Jahr ein, Jahr aus wechseln Spieler den Verein nach Lust und Laune. Ob in eine internationale Liga, innerhalb der Liga, innerhalb des Kantons oder gar innerhalb der Stadt. Zum Teil wechseln sie nach 1-2 Jahren, manchmal auch schon nach kürzerer Zeit (Freundliche Grüsse an Kader Mangane). Dies geschieht teils aus perspektivischen oder monetären Gründen, wobei meist vor allem Letzteres ausschlaggebend sein dürfte. Spieler haben aber im Normalfall auch „nur“ 15-20 Jahre Zeit, um genug Geld zu verdienen damit sie anschliessend ausgesorgt haben. Die wenigsten werden nämlich im Anschluss an ihre Spielerkarriere Trainer, Scout, oder ähnliches und nicht alle haben eine Ausbildung abgeschlossen, die ihnen gleich nach der Laufbahn ein geregeltes Einkommen sichert. Der Begriff Vereinstreue ist heute lange nicht mehr so verbreitet wie vor 20 Jahren und Spieler verdienen zum Teil astronomische Summen, die man vor einem normalen Büetzer eigentlich kaum mehr rechtfertigen kann.

Die Gesellschaft, einschliesslich Fans und Medien, hat diese Zustände schon länger akzeptiert und man äussert sich nur noch in Extremfällen kritisch.
Fussballtrainer aber, scheinen weiterhin eine besondere Spezies zu sein.
In dieser Saison gab es schon nur in der höchsten Spielklasse 14 (!) Trainerwechsel. Im Zweifelsfalle ist der Trainer immer das schwächste Glied, da man bei ausbleibenden Erfolgen selten das halbe Team auswechseln kann.
Daher trägt der Übungsleiter die grösste Verantwortung und ist dem minimalen Abstand zwischen Held und Depp gnadenlos ausgeliefert. Im Gegensatz zur Privatwirtschaft wird der leitende Angestellte im Fussball nicht einmal am besten bezahlt. Nicht selten haben Spieler höhere Saläre als die Trainer, können sich aber bei schlechten Leistungen im Kollektiv verstecken und müssen nach drei Niederlagen am Stück nicht gleich um ihren Job bangen.

Daher ist es meiner Meinung nach absolut korrekt, dass sich auch Fussballtrainer absichern. Zum Beispiel eben mit Ausstiegsklauseln, die Ihnen den Ausstieg bei interessanten Angeboten ermöglichen -> analog vieler Spielerverträge.

Diese Mechanismen im Trainergeschäft sollten von Fans und vor allem von meinungsbildenden Medien genau so akzeptiert werden wie diejenigen auf dem Spielermarkt. Alles andere ist pure Heuchelei und absolut inkonsequent.

Kleines Beispiel?
Frank Feltscher hat in jedem Cupspiel für GC getroffen und somit einen gewichtigen Anteil am Titelgewinn der Heugümper aufzuweisen. Wäre am Samstag sein Transfer zu YB vermeldet worden, mehr als 6 Zeilen wäre diese Meldung keiner Zeitung wert gewesen. Und weder „GC-Edel-Fan“ Kilchsberger noch Mamma Feltscher wären dazu befragt worden.

Merci Mändu!

31. Mai 2013 um 12:55 von Pele in der Kategorie Redaktionelles, YB

Lieber Mändu,

Ich sehe das Foto auf der Sporttitelseite der BZ noch vor mir:
Du, im Thundress mit YB-Fähnli in der Hand auf einem Wankdorf-Balkon. So wurde Dein Wechsel damals verkündet.

Ein YB-Giel aus Oberdiessbach, der schon immer den Traum hegte für die Gelbschwarzen zu spielen. Heute heisst es ja oft „der Spieler hatte bei der Vertragsunterzeichnung Tränen in den Augen“ oder „der Spieler erklärte, bei YB etwas aufbauen zu wollen“. Dies sind in den meisten Fällen Worthülsen, auf welche man kaum mehr reagiert, da besagte Akteure im Normalfall nach 1-2 Jahren wieder weg sind.
Bei Dir ist das aber etwas anderes: 8 Jahre lang hast Du deine Knochen für uns hingehalten. 8 Jahre lang stand zumindest immer einer auf dem Platz, der seine Interviews im breitesten Berndeutsch gab und dem man es abnahm wenn er sagte, dass YB für ihn eine Herzensangelegenheit ist.

Sportlich wurdest Du zwar nie so umjubelt wie ein Doumbia und Du wurdest nur von wenigen so verehrt und als Kultfigur wahrgenommen wie Häbigou. Weder trat je eine Band unter dem Namen „The Raimondis“ auf, noch gab es ein T-Shirt zu kaufen mit einem Raimondi-Fallrückzieher-Sujet. An die Popularität eines Yakins kamst Du genau so wenig heran wie an die Medienpräsenz des Meistermachers aus Zürich Höngg (wobei es Dich wohl nie gestört hat, nicht wöchentlich von „fdr“ für ein 2-Seiten-Interview angefragt zu werden).

Ein YB-Abi kann ich mir erst seit der Errichtung des neuen Wankdorfs leisten und konnte in dieser Zeit trotzdem bereits etliche Spieler, Funktionäre und Trainer beobachten.
Aber im Gegensatz zu vielen anderen, die gekommen und gegangen sind, warst Du immer da. Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit Dir im YB-Dress – wahrscheinlich mehr als mit den meisten anderen die dieses je getragen haben.

Zwei meiner Lieblings Raimondi-Momente stammen aus derselben, deiner ersten, Saison:

– Das erste Spiel im Wankdorf (vorerst vor 14’000 Zuschauern) gegen Marseille (Uefa-Cup-Quali) ging zwar mit 2:3 verloren – doch das erste Pflichtspieltor im neuen Wankdorf markierte ein gewisser Raimondi.

– In der gleichen Saison hast Du mittels „Buebetrickli“ im Cup-Halbfinal gegen den FCZ (4:1), den Endstand besorgt und dabei die halbe Zürcher Hintermannschaft zu Statisten degradiert.

In den 8 Jahren warst Du oft Stammspieler– egal ob im 4-4-2, 4-2-3-1, 3-4-3 oder in irgendeinem anderen System: „Linksusse spiut dr Mändu“!
Angebote aus Italien hast Du abgelehnt und zeitweise fragte man sich, ob die Nationalspieler auf Deiner Position wirklich so viel besser sind als Du es zu dieser Zeit warst.

Es gab aber auch schwierige Situationen in den letzten Jahren: Du warst nicht mehr immer gesetzt und musstest hart für Deine Einsatzminuten kämpfen. Irgendwie hast Du es aber immer geschafft. Es war ein wenig wie bei Häbigou: In keiner Saisonvorschau fand man Euch in der Startaufstellung – aber bereits nach wenigen Spieltagen und diverser schwacher Leistungen von hochgelobten Neuzugängen, standet Ihr wieder auf dem Platz.

Du hast nie gejammert und Dich nie beschwert. Nicht mal in der letzten Saison, als dir der Stratosphärenpingpongtrainerhalbgott nur noch den Platz auf der Tribüne anbot. Niemand wäre Dir böse gewesen, hättest Du den Verein gewechselt um noch einmal richtig Freude am Fussball zu haben.
Doch du gingst nicht. Wahrscheinlich weil Du schon damals ahntest, das der Mentalitätswechsel im Wankdorf bald wieder abgebrochen werden würde.
Und so kam es auch. Unter dem Interimsduo Häberli/Piserchia kamst Du wieder zum Einsatz und in dieser Saison standest Du beachtliche 27mal auf dem Platz.

Dass dich einige Medien in den letzten 8 Jahren als zu nett beschrieben, hat Dich geärgert. Schliesslich ist ja nichts Schlechtes, wenn man nett und anständig sei, hast Du einmal in einem Interview gesagt. Da hast Du recht. Und auch deshalb wirst Du mir auch nicht als die grätschende Kampfsau Raimondi in Erinnerung bleiben sondern als der sympathische, technisch beschlagene Mändu.

Nun beendest Du Deine Laufbahn und wirst Juniorentrainer bei YB.
Einerseits schade, denn Du hättest noch eine Saison verdient gehabt im gelbschwarzen Dress. Schliesslich spielt der einzig bessere, linke Aussenverteidiger in unserem Kader meist im Zentrum. Ich hoffe man findet einen adäquaten sportlichen Ersatz für Dich. Denn viele werden erst richtig merken, dass Du fehlst, wenn auch von der linken Seite keine brauchbaren Flanken mehr kommen.
Andererseits spricht diese Entscheidung für Deinen Charakter und dafür, dass es sich bei Dir eben nicht um Worthülsen handelt wenn Du von „YB äs Läbe lang“ sprichts.
Schön das Du uns erhalten bleibst und Deine ersten Schritte als Trainer hier machst. Ob Du jemals beim „Eis“ an der Linie stehst, wissen die Götter. Aber das unsere Junioren des Thema Vereinstreue und Ehrlichkeit direkt vorgelebt bekommen, kann für deren Entwicklung nur von Nutzen sein.

Merci Mändu!
Merci für viu schöni Momänte, für viu gueti Spiu, viu schöni Gou u vorauem für Dini Tröii zu üsem BSC!

YB – FCZ 2:4

27. Mai 2013 um 07:26 von Marco in der Kategorie Matchbericht, Redaktionelles, Spielerbewertungen, YB

Eine wirklich gute Fussballmannschaft beherrscht drei Dinge: Ein gutes Stellungsspiel, Pressing und Konterqualitäten. Auch mit nur einer der drei Eigenschaften kann ein Team dem Gegner immer noch sein Spiel aufzwingen. YB beherrscht nicht einmal ansatzweise eine dieser Fähigkeiten. Das führte das Spiel gegen Zürich schonungslos vor Augen. Über weite Strecken vermittelte YB den Eindruck einer Mannschaft, die sich aufgegeben hat. In der allgemeinen Tristesse gab es jedoch auch einige Lichtblick.

In der Anfangsphase deuteten Gerndt, Nuzzolo und Afum an, wie eine druckvolle Flügelzange aussehen könnte. Nuzzolo, der ausnahmsweise rechts spielte, verlieh dem Spiel mit präzisen Seitenverlagerungen gute Impulse. Gerndt auf links zeigte Einsatz und setzte sich mehrmals gegen die FCZ-Verteidiger durch. Es war dann auch sein Pass, den Afum nur noch einzuschieben brauchte zur 1:0-Führung. Neben dem Seitenwechsel von Nuzzolo überraschte Challandes mit der Nominierung von Leonardo Bertone als Sechser. Der 19-Jährige versuchte primär keine Fehler zu machen, dabei unterliefen ihm natürlich solche erst recht. Weil sich seine Vorderleute selten in Position brachten, musste er sich meistens mit Rück- oder Fehlpässen behelfen. Die YB-Offensive baute nach der Führung nämlich stark ab. Im Gegenzug fand Zürich besser ins Spiel und nach 20 Minuten glich Drmic aus. Mit zwei, drei schnellen Pässen übertölpelte der FCZ die Abwehr.

Für Nef und Zverotic wäre schon die Bezeichnung Statisten des Lobes zu viel. Wie immer nach einem Gegentor fiel YB völlig aus dem Konzept und stellte das Fussball spielen fast gänzlich ein. Fehlpass reihte sich an Fehlpass und kein einziger Spieler übernahm in dieser Situation Verantwortung. Costanzo blieb bei seinen Dribblings immer hängen und Farnerud fiel nur mit Ballverlusten auf. Diese Verluste standen meist am Anfang einer Zürcher Chance. So auch beim 2:1 als Chermiti plötzlich vor Wölfli auftauchte und das Tor schoss. Nach der Pause stand erstaunlicherweise die gleiche Elf auf dem Platz und es ging dementsprechend gleich weiter. In einer Situation in der YB Druck aufbauen sollte, schoben sich die Spieler den Ball zu bis er beim Gegner landete. Für die Vorentscheidung sorgte Gaijc als er einen Foulpenalty verwertete. Dem Pfiff ging ein Foul von Zverotic voraus. Aus der Distanz schien der Entscheid ziemlich streng. Das 4:1 für Zürich war dann die definitive Entscheidung. YB zeigte Auflösungserscheinungen.

Challandes reagierte erst jetzt mit den Wechseln Sutter und Tabakovic für Nuzzolo und Gerndt. Zürich beschränkte sich in der Folge aufs Kontern und YB fand viel Platz zum nutzlosen Ballgeschiebe. Nach dem gefühlten 72. Fehlpass wurde es Farnerud zu langweilig und er schoss mal Richtung Tor. Das hatte auch Da Costa nicht erwartet, so stand es am Schluss 4:2.

 

Noten:

Wölfli: 4

Zweimal gut gehalten, bei den Toren keine grosse Schuld, aber vier Gegentore sind zu viel.

 

Zverotic: 2

Da ist Sutter noch fast besser. Im Gegensatz zum DM als AV unbrauchbar.

 

Nef: 1

Schlechtester YB-Spieler der Saison.

 

Veskovac: 2

Zwei gute Grätschen reichen, damit man von Note 1 verschont wird.

 

Raimondi: 3

Gehört zur Verteidigung aber nur auf dem Matchblatt. Eine schöne Flanke.

 

Bertone: 3,5

Viel zu viele Fehlpässe. Trotzdem ein bisschen Jugendbonus.

 

Nuzzolo: 4,5

Weniger gut als auch schon. Lieber wieder auf links.

 

Costanzo: 3

Das wird nie mehr etwas in Bern.

 

Farnerud: 3

Ein Tor. Ansonsten ein Ärgernis

 

Gerndt: 4,5

Hat Potenzial angedeutet. Wenn es nicht läuft unsichtbar.

 

Afum: 4,5

Könnte gut kommen, wenn er mehr Bälle erhielte.

 

Sutter: 4

Unverständliche Einwechslung. Spielte dann nicht sooo übel.

 

Tabakovic: 4,5

Guter Einsatz. Die Wasserverdrängung gefällt.

 

Gonzalez: 3,5

Wie immer: Viel Aufwand, wenig Ertrag

 

Auf Radio Gelb-Schwarz nehmen Bertone und Nuzzolo Stellung zur Niederlage.

Stimmen zum Spiel

FC Luzern – YB 3:1

12. Mai 2013 um 14:41 von Marco in der Kategorie Matchbericht, Redaktionelles, Spielerbewertungen, YB

War der 4:0-Sieg gegen GC nur ein Strohfeuer oder der Wendepunkt, fragte gaeubschwarz.be vor dem Spiel gegen Luzern. Es war nur ein Strohfeuer muss man nach der 3:1-Niederlage in Luzern feststellen. YB spielte besonders in der zweiten Halbzeit so schwach, wie in den meisten Spielen dieser Saison. Es dauerte gerade mal acht Minuten bis Hochstrasser zum 1:0 traf. Bevor Hochstrasser nach Pass von Sally Sarr aus drei Metern Distanz das 1:0 schoss, liess sich Nef auf beschämende Art und Weise von Gygax düpieren. Gygax brachte es in der Ecke tatsächlich fertig, den Ball mit der Hacke durch Nefs Beine zu spielen. Es war leider nicht das letzte Mal in diesem Spiel, dass Nef neben Gygax uralt aussah.

Wenn man irgendetwas Positives an der sogenannten Leistung von YB suchen müsste, wäre es die Reaktion auf den frühen Rückstand. Fiel YB bisher zuverlässig auseinander nach einem Rückstand, gaben sich die Spieler diesmal nicht komplett auf. Luzern war zwar überlegen, YB zeigte aber gute Ansätze und insbesondere Afum rackerte und suche mehrmals den Abschluss. In der Szene als Afums Schuss an Lustenbergers Hand prallte, entschied der Schiri wohl korrekt auf kein Penalty. Wo ein bisschen Licht ist, ist bei YB stets auch viel Schatten. Viel zu oft überlistete Luzern das Berner Mittelfeld und brachte die Verteidigung ins Rotieren. Ausgangspunkt vieler Ballverluste war Farnerud, der nach dem Ausreisser gegen GC wieder an seine gewohnt schlechten Leistungen anknüpfte. Die Bemühungen in der Offensive zahlten sich in der 34. Minute aus als Gerndt nach einem Pass von Frey mit einem starken Flachschuss zum 1:1 traf.

In Sachen Pausenansprachen gewann ̶B̶̶e̶̶r̶̶n̶̶s̶̶c̶̶h̶̶r̶̶e̶̶c̶̶k̶̶e̶̶r̶ Bernegger deutlich gegen Challandes. Luzern spielte nach dem Seitenwechsel druckvoll und zeigte viel mehr Siegeswillen als die Young Boys, die mehr reagierten als agierten. Der FCL entschied das Spiel schliesslich mit zwei Toren innert fünf Minuten. Das 2:1 erzielte Gygax per Kopf nach einer Flanke von Sarr. Wie eingangs angekündigt war Nef auch dieses Mal beteiligt. Er gewährte dem 11 Zentimeter kleineren Gygax so viel Platz, dass er völlig umbedrängt zum Kopfball kam. Den Todesstoss versetzte Gygax YB als er einen Freistoss von Andrist unhaltbar ablenkte. Nef half tatkräftig mit, indem er den Kopf einzog. Nach dem fünftletzten Saisonspiel kann man feststellen, dass YB keinen Schritt weiter ist und auch nirgends einen Hoffnungsschimmer zu sehen ist.

 

Zeugnis

Wölfli 4,5
Machtlos bei den Toren. Verhinderte mit einigen Paraden eine Kanterniederlage.

Bürki 4
Kann und muss (noch) nicht die Abwehr stabilisieren. Schön wäre es trotzdem.

Veskovac 3
Kam beim 1:0 zu spät. Ist kein Abwehrchef

Nef 2
Hatte am meisten Einfluss auf den Spielausgang. War an allen Gegentoren mitschuldig.

Gonzalez 3
Reihte Fehlpass an Fehlpass. Zu wenig Defensivarbeit.

Farnerud 3
Fiel nur mit Ballverlusten auf.

Zverotic 4
Bemüht aber planlos. Mit Spycher an der Seite käme es wohl besser.

Nuzzolo 4
Setzte keine Akzente. Braucht wieder einmal ein Erfolgserlebnis

Frey 4,5
Kämpfte wie man ihn kennt. Intelligenter Pass zum 1:1. Dürfte mal wieder treffen.

Afum 4,5
Schiesst viel, trifft wenig

Gerndt 4,5
Ist der Bann gebrochen? Zweifel bleiben bestehen.

Costanzo 4
Ist nicht der Typ, der einen Zweitore-Rückstand noch im Alleingang herumreisst.

Raimondi 4,5
Brachte ein bisschen Sicherheit in die Abwehr. Luzern griff aber auch nicht mehr wirklich an.

Martinez 4
Super League ist nicht 1. Liga Classic. Leider.

Raimondi stellte sich nach dem Spiel den Fragen von Radio Gelb-Schwarz.

Raimondi auf RGS

Luxemburg statt Lissabon

24. April 2013 um 09:41 von Marco in der Kategorie Groundhopping, Redaktionelles

Am Stadtrand von Luxemburg ist Hamm Benfica zu Hause. Ein Besuch in einer obersten Liga, die ein bisschen anders tickt.

Mit 224‘000 Mitgliedern ist Benfica Lissabon (selbstverständlich heisst es korrekt SL Benfica, liebe Clubnamen-Fundamentalisten) der mitgliederstärkste Sportverein der Welt. Der 32-fache portugiesische Meister hat aber nicht nur auf der ganzen Welt Mitglieder und Fans, sonder auch Anhänger, die gleich einen eigenen Verein mit dem Namen Benfica gegründet haben. Während die Immigranten-Vereine in der Schweiz meist ein Schattendasein in unteren Ligen fristen, spielt Hamm Benfica in der obersten Spielklasse seines Landes. Selbst Fussballexperten, die alle UI-Cup-Sieger im Schlaf hinunter beten, dürften beim Namen Football Club Rapid Mansfeldia Hamm Benfica ins Grübeln kommen. Hamm Benfica spielt seit 2007 in der höchsten Liga Luxemburgs und traf dort vor einer Woche zu Hause auf Etzella Etzelbrück. Hamm ist der Name des Stadtteils von Luxemburg, wo Benfica beheimatet ist.

Super Sponsor
Inmitten eines gediegenen Wohnquartiers liegt der Sportplatz Terrain de Football Cents. Während der sorgsam gepflegte Trainingsplatz als Parkplatz für die stattlichen Mittelklassewagen genutzt wird, ist das eigentliche Spielfeld mit einer kleinen Tribüne flankiert. Noch eindrucksvoller ist jedoch das imposante zweistöckige Klubhaus, dessen Fassade von vier Klubwappen geziert wird. Statt eines Atlantikwindes weht eine unangenehme Bise über den Platz. Abgesehen davon könnte man sich schon fast in Portugal wähnen. Im Innern des Kassenhäuschens (Eintritt Erwachsene 8 Euro) hängt eine portugiesische Flagge. Auch der bekannteste Bierbrauer Lusitaniens Superbock ist bei Hamm Benfica omnipräsent. Als Biermarke darf Superbock sogar als Leibchensponsor werben, was für den Besucher aus dem Land, das sogar Werbung von Wettanbietern verbietet, eine willkommene Überraschung ist. Einen weiteren Sympathiepunkt gewinnt Hamm Benfica am Bierstand. Selbstverständlich wird Superbock ausgeschenkt – doch nicht etwa in abgestandenen Plastikbechern, sondern in handlichen 0,33 cl-Fläschchen, das Stück zu zwei Euro. Glasflaschen im Stadion der obersten Liga – Käser würde glatt seine Pfeife verschlucken.

Vermisste portugiesische Leichtigkeit
Das Spiel zwischen den beiden Mannschaften, die meines Wissens alle aus Amateuren bestehen, fand in der ersten Halbzeit auf erschreckend tiefem Niveau statt. In meiner Vorstellung siedelte ich die luxemburgische Nationaldivision etwa auf 1. Liga-Niveau an. Doch in Hälfte eins wären Hamm Benfica und Etzella Etzelbrück in den höchsten Schweizer Amateurligen gnadenlos überfahren worden. Kaum ein Pass kam an und harte Fouls prägten das Spielgeschehen. Die 158 Zuschauer bestanden mehrheitlich aus älteren Exil-Portugiesen, die ihrem Unmut über das Spiel in einem Kauderwelsch aus Lëtzebuergesch und Portugiesisch freien Lauf liessen. Trotzdem stand es zur Pause 1:1. Zuerst ging Hamm Benfica nach einem YBesken Abwehrfehler von Etzelbrück in Führung. Wenige Minuten später das gleiche auf der anderen Seite.

Nach dem Seitenwechsel verbesserte sich das Spiel deutlich und nährte sich 1. Liga Promotion-Niveau. Beide Mannschaften, im Mittelfeld der Tabelle klassiert, spielten nach vorne und generierten mehrere Chancen. Abermals war es das Heimteam, das nach einem Freistoss schnell reagierte und die Führung übernahm. Von da an war Hamm Benfica stärker, was die Rentner-Gruppe mit einem anerkennenden Nicken quittierte. Nach dem 3:1 von Hamm Benfica war das Spiel entschieden, daran änderte auch der Anschlusstreffer von Etzelbrück nichts mehr. Nach dem Spiel zogen sich einige der Zuschauer sogleich ins warme Klubhaus zurück. Andere hingegen rollten mit ihren Autos vom Trainingsplatz, welcher der Belastung problemlos standhielt und fast ein wenig an das Grün im Estadio da Luz erinnerte.

«Es grenzt an ein Weltwunder, dass wir 1. Liga Promotion spielen»

11. April 2013 um 08:13 von Marco in der Kategorie Redaktionelles

Der FC Breitenrain reitet seit Jahren auf einer Erfolgswelle. Sportchef Christoph Schöbi sagt, wo die Vorteile des Kleinen inmitten der Grossen sind, und weshalb er sich gegen Brühl fast selbst eingewechselt hätte.

Fredy Bickel ist zurück in Bern. Ende November verzückte diese Nachricht alle YB-Fans. Der neue alte Sportchef wurde mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet und riss YB kurzzeitig aus der Herbstdepression, die mittlerweile einer Frühjahrsmüdigkeit gewichen ist. In der medialen Aufregung unterliess Bickel es nicht, seine grosse Verbundenheit zum Klub und zu Bern zu betonen. Ein Sportchef, der sich voll und ganz mit Verein und Stadt identifiziert und einen beträchtlichen Leistungsausweis vorzuweisen hat, ist für YB ein Novum.

Ein Leben auf dem Fussballplatz
Nur 1400 Meter vom Wankdorf entfernt sind diese Merkmale alltäglich aber trotzdem nicht selbstverständlich. Der Sportplatz Spitalacker mit der kleinen Tribüne, eingeklemmt zwischen Quartierstrassen, Schule und Feuerwehrkaserne ist die Heimat von Christoph Schöbi. Seit 17 Jahren ist Schöbi Sportchef des FC Breitenrain. In den letzten zwölf Jahren ist der Quartierklub viermal aufgestiegen. Immer dabei: Christoph Schöbi. Nicht nur als Sportchef, sondern auch als Teammanager, Materialwart und Organisator von Carfahrten. Quasi nebenbei ist er stellvertretender Schulleiter in Bolligen. Er selbst beziffert seinen Arbeitsaufwand auf rund 40 Prozent. In Tat und Wahrheit dürfte es bedeutend mehr sein. Einen Grossteil seiner Wochenenden verbringt er nämlich auf den Fussballplätzen in der Region Bern und sichtet Junioren und Aktive, die für Breitenrain interessant sein könnten. «Ich kenne jeden Trainer im lokalen Fussball persönlich. Obwohl mir täglich irgendwelche Spieler angeboten werden, vertraue ich lieber auf mein Beziehungsnetz.»

Desolate Hinrunde
Der Besuch von Fussballspielen im ganzen Kanton hat für Schöbi zur Folge, dass er in der Hinrunde dieser Saison kaum einmal auf dem Spitz anzutreffen war. Viel Erfreuliches hat er nicht verpasst. Aufsteiger Breitenrain tat sich schwer in der neu geschaffenen 1. Liga Promotion und belegte in der Winterpause den zweitletzten Tabellenplatz. «Wir haben die Liga zu Beginn unterschätzt und mussten mit vielen Absenzen auskommen», begründet Schöbi das schlechte Abschneiden in der ersten Saisonhälfte. Mittlerweile hat die Rückrunde begonnen und die Formkurve von Breitenrain zeigt steil nach oben. Aus den bisherigen sechs Spielen resultierten neun Punkte und Breitenrain hat die Abstiegszone verlassen.

Sinnbildlich für den Fortschritt der Stadtberner ist die Leistung gegen den FC Schaffhausen. Zwar verlor Breitenrain das erste Pflichtspiel im 2013 auswärts mit 2:1. Doch in der Hinrunde ging die Mannschaft von Trainer René Erlachner zuhause noch mit 0:6 unter. «Es grenzt an ein Weltwunder, dass wir heute in der dritthöchsten Liga spielen», sagt Christoph Schöbi unbescheiden und auch ein wenig ungläubig. Am Beispiel von Breitenrain und Schaffhausen lassen sich die enormen Unterschiede in dieser Liga verdeutlichen. Während Breitenrain mit 300‘000 Franken für die erste Mannschaft auskommen muss, sind bei Schaffhausen fast alle Spieler Vollprofis. Darunter auch ein Spieler wie Baykal, der eine lange Karriere im In- und Ausland hinter sich hat.

Angst vor Aufstieg
Wenn Schöbi einen Spieler will, kann er ihn nicht mit Geld ködern. Er setzt deshalb auf die persönliche Beziehung und auf den Standortvorteil Bern: «Die meisten Spieler leben oder arbeiten in der Stadt Bern. Das ergibt praktische Synergien für die Trainings und ist für viele ausschlaggebend.» Dazu kommt, dass Breitenrain nach Möglichkeit Berner im Team haben will. In den letzten Jahren ist dieses Konzept im sportlichen Bereich hervorragend aufgegangen. Vier Aufstiege seit 2001 sind das Ergebnis von «Leuten, die das Tagesgeschäft seriös erledigen», wie es Schöbi ausdrückt. Doch der Erfolg auf dem Rasen stellte den bescheidenen Quartierklub auch vor Probleme. «Wir wurden vom sportlichen Erfolg überrollt und mussten laufend die Vereinsstrukturen anpassen. Das gefiel nicht allen», erinnert sich Schöbi. Am Anfang wusste niemand im Verein, wie das Lizenzierungsverfahren funktioniert und im Sommer 2011 hätte Breitenrain  sogar die Lizenz für die Challenge League erhalten. Ein Aufstieg hätte den Klub wahrscheinlich in gröbere Turbulenzen gebracht und Schöbi ist heute froh, dass die Barrage gegen Brühl verloren ging: «Wären wir in Führung gelegen, hätte ich mich selber eingewechselt, damit wir forfait verlieren.»

Kein Gehör bei den Behörden
Der Sportchef betont zwar gerne, wie stark die 1. Liga Promotion ist, er will aber auch unbedingt die Klasse halten. Von höheren Weihen zu träumen, kommt für Schöbi nicht in Frage. Dafür ist er realistisch genug. Bereits jetzt ist Schöbi mehr Infrastrukturminister als Sportchef. Der Kampf um genügend Rasenplätze ist für Breitenrain ein Dauerthema. Schöbi steht in ständigem Kontakt mit den städtischen Behörden. «Dank den Kunstrasenplätzen auf der Bodenweid hat sich die Lage ein bisschen entspannt, sie bleibt aber prekär.» Während andere Vereine «nur» über zu wenig Trainingsplätze verfügen, ist beim FC Breitenrain das Hauptspielfeld auch noch ein ewige «Baustelle». Der Spitalacker, der sich im Besitz der Stadt befindet, erfüllt die Bedingungen für die dritthöchste Liga im Grunde nicht mehr. Das liegt primär an den fehlenden Schiri-Garderoben. Das Problem ist bekannt, doch in den letzten Jahren gab es null Verbesserungen. Für Schöbi ein Ärgernis: «Sportamt und Stadtbauten haben mehrmals Projekte präsentiert, die aber so überrissen waren, dass sie sowieso nicht realisiert wurden.»

Spitz erhält Kunstrasen
Häufig erlebt Schöbi den Dialog, der oft keiner ist, mit der Stadt als Spiessrutenlauf. Wenn man einmal reklamiere, werde einem gleich der Drohfinger gezeigt, lauten seine ernüchternden Erfahrungen. Der Hauptmangel beim Spitalacker liegt bei den veralteten Garderoben. Dort geschieht aber nichts, bis man weiss, wie die Feuerwehrkaserne zukünftig genutzt wird. Trotzdem wird die Stadt nun aktiv. Doch statt die Vorgaben der Liga umzusetzen, erhält der Spitalacker diesen Sommer einen Kunstrasen, der auf wenig Begeisterung stösst. Für viele Nostalgiker ist das aber immer noch das geringere Übel als wenn Breitenrain seine Spiele auf dem renovierten Platz des ungeliebten FC Wyler austragen müsste.

Vermisste YB-Persönlichkeiten
Damit der FC Breitenrain auch in fünf Jahren noch 1. Liga Promotion spielt, braucht es nicht nur Verbesserungen in der Infrastruktur, sondern auch in der Mannschaft. Schöbi hofft, dass zukünftig Perspektivspieler von Thun, Biel und YB bei Breitenrain auflaufen. Gerade zu YB hat Schöbi eine besonders enge Beziehung. Im Nachwuchsbereich kennt er die Verantwortlichen persönlich und er gibt YB auch mal einen Tipp, wenn er irgendwo einen talentierten Junior entdeckt. Umso mehr Sorgen macht ihm deshalb die aktuelle Situation der Gelbschwarzen: «Ich versuche jedes Heimspiel von YB zu sehen und bin momentan natürlich gar nicht glücklich.» Für ihn liegt die Hauptursache der aktuellen Misere bei der Zusammensetzung der Mannschaft. Dort fehlen ihm die Führungsspieler, die Verantwortung übernehmen. «Bei YB gibt es zurzeit keine Persönlichkeiten, wie sie zum Beispiel GC mit Salatic hat.»

Wunschspieler Costanzo
Sein Verdikt zu den eigentlichen Leistungsträgern fällt deshalb brutal aus: «Farnerud ist einer der meist überschätzten Spieler der Liga, Nef fehlt die Antrittsgeschwindigkeit und Costanzo ist nie richtig in Bern angekommen.» Dass die YB-Spieler aber eigentlich Fussball spielen können oder es mindestens konnten weiss natürlich auch Schöbi und fügt mit einem Lächeln an: «Martinez und Costanzo sähe ich gerne bei uns.» Schöbi glaubt aber auch, dass der Neuanfang mit Fredy Bickel gelingen könnte. Tauschen möchte er mit Bickel aber trotzdem um keinen Preis: «Als Sportchef im Profifussball musst du knallhart sein. Das wäre nichts für mich.» 1400 Meter Distanz können halt manchmal auch unendlich weit sein.

Vorbereitungsauftakt

14. Juni 2012 um 12:16 von Pele in der Kategorie Redaktionelles

Nicht nur die fantastischen und bald sehr erfolgreichen Young Boys starten morgen in die Vorbereitung 2012/2013 – nein, auch wir legen wieder los.

Wie in einer Vorbereitung üblich, werden auch bei uns neue Dinge getestet und ausprobiert. So werden wir zum Beispiel an unserem optischen Auftritt feilen, die eine oder andere neue Rubrik einführen sowie die Interaktionsmöglichkeiten für unsere treuestmögliche Leserschaft erweitern.

Zudem sind wir immer noch auf der Suche nach freiwilligen Schreiberlingen, die uns beim fröhlichen Bloggen unterstützen möchten.

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Zuständig für das Tagesgeschäft. In unserem Fall betrifft dies jeden Klick, welcher über „Artikel speichern“ und „Artikel veröffentlichen“ hinaus geht. Sein Französisch ist noch schlechter als das Deutsch von Petkovic.

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  • Pele

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Die Bank

  • Voegtu

Hat mehr Fussballspiele live gesehen als Hansruedi Hasler und mehr Bier getrunken als Werner Lorant. Auf dem Platz verkörpert er den Typ „Ästhet“.

  • Schiri

Versteht von Skifahrern deutlich mehr als von Fussballspielern. Kennt aber dafür die Regeln am besten. Begeisterter Anhänger von erfolglosen Teams.

  • Lugi

Von Beruf 1.-Klasse-GA-Besitzer und Motivationstrainer. Würde die taktischen Vorgaben mit der höchsten Erfolgsgarantie kennen – nur fragt ihn leider niemand.

  • Wahli

Trägt Bart. Sein unerschütterlicher Optimismus erinnert an den jungen Pele. Der wohl beste Firmenfussball-Senioren-Mittelfeldakteur aller Zeiten.

Heute Neustart!

14. Juni 2012 um 09:25 von Pele in der Kategorie Redaktionelles

…im Verlauf des heutigen Tages werden wir unseren Betrieb wieder aufnehmen.

Wir freuen uns auf Euren Besuch!