Old Boys Basel – Young Boys Bern 0:4

19. September 2017 um 12:30 von Pele in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen

Bislang scheint Adi Hütter die richtigen Worte zu finden. YB agierte, wie bereits gegen Breitenrain, engagiert und konzentriert und liess OB kaum Luft zum Atmen.

Die logische Folge war eine 2:0-Führung nach einer guten halben Stunde, Nsame und Fassnacht hatten getroffen. Ersterer musste sich allerdings wegen eines Brummschädels auswechseln lassen – bleibt zu hoffen, dass er sich nicht als nächster Spielers ins leider wieder grosse YB-Lazarett einreihen muss.

Nach der Pause entschied der eingewechselte Assalé das Spiel mit einem Doppelschlag vorzeitig. YB hätte durchaus höher gewinnen können, doch sowohl Fassnacht als auch der erstmals eingesetzte Teixeira trafen nur die Torumrandung.

Die Losfee bescherte YB anschliessend mit dem FC Münsingen das zweite Cup-Derby der Saison. Die Partie wird am 25. oder 26. Oktober stattfinden.

Noten:

von Ballmoos 4.5/ Eigentlich kaum geprüft, daher die Standard-Note für Goalies.

Joss 5/ Gefälliger Auftritt des Konolfingers, der erstmals in dieser Saison von Beginn weg eingesetzt wurde.

Wüthrich 5/ Sein zweiter Einsatz, beide Male im Cup. Agierte umsichtig und versuchte das Spiel von hinten aufzubauen, schlug aber in der zweiten Halbzeit einige ungenaue Bälle.

von Bergen 5/ Keine Probleme für den Captain.

Lotomba 5/ Fleissiger Auftritt, gegen hinten fehlerlos. Offensiv mit guten Vorstössen.

Sow 4.5/ Agierte als einziger Sechser und begann gut. In der ersten Halbzeit mit schönen Pässen in die Tiefe, im zweiten Umgang unauffällig.

Ngamaleu 4.5/ Wurde nominell als «10ner» aufgestellt und war überall anzutreffen. Allerdings noch nicht so zwingend, wie er es in den vorherigen Partien andeutete.

Fassnacht 5.5/ Der beste YBler auf dem Feld. Omnipräsent auf dem Spielfeld und mit einem schönen Treffer zum 2:0.

Schick 4.5/ Nicht so auffällig wie seine Kollegen, aber dennoch ein fleissiger Auftritt.

Teixeira 4.5/ Sein erstes Spiel im YB-Dress. War viel unterwegs und hatte mehrmals Pech im Abschluss. In den 1:1-Aktionen oftmals mit den falschen Entscheidungen.

Nsame 5/ Hätte über 90 Minuten wohl mindestens noch ein zweites und drittes Tor erzielt. Bis zu seiner Auswechslung zusammen mit Fassnacht der auffälligste Spieler.

Assalé 5/ Doppelschlag und dennoch «nur» eine 5? Er hatte wiederum einige Aktionen, in denen er die komplett falschen Entscheidungen traf. Zudem nach wie vor zu grosse Fallsucht.

Aebischer/Bürki keine Note/

BSC YB – FC Lugano 3:0

11. September 2017 um 21:15 von Pele in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen, YB

Wer kurz vor oder nach der Pause seinen Platz verliess, hat am Sonntag mindestens eine von zwei entscheidenden Szenen verpasst. Nach 42 Minuten waren es die Gelbschwarzen, die eher überraschend zu einer Pausenführung kamen. Nsame reagierte nach einem Sulejmani-Corner am schnellsten und netzte aus kurzer Distanz ein.

Zuvor hatten die offiziell gemeldeten 20’000 Zuschauer ein Spiel gesehen, in dem sich die formstarken Tessiner mutig wehrten und nach Ballgewinnen blitzschnell umschalten konnten. YB hatte zwar mehr vom Spiel, konnte allerdings nur wenig zwingende Szenen kreieren. Das Pressing, das in St. Gallen zu Beginn hervorragend funktionierte, wurde nicht konsequent genug umgesetzt. Erschwerend kam hinzu, dass Guillaume Hoarau zwar wieder auflief, sein Formtief aber zu keiner Zeit kaschieren konnte.

Quasi als „Arbeitserleichterung“ durfte sich Adi Hütter an diesem Tag auf die Verletzungshexe verlassen: Keinen einzigen Wechsel konnte er aus freien Stücken tätigen, sondern musste stets auf Verletzungen reagieren. Bereits nach einer knappen halben Stunde musste Benito wegen Oberschenkelbeschwerden das Feld räumen und Lotomba Platz machen. Vorneweg: Der junge Schweiz-Kongolese konnte mit einer starken Leistung Pluspunkte sammeln.

In der Pause blieb Hoarau dann in der Kabine. Offenbar ist die Verletzung noch nicht optimal verheilt, was wie bereits erwähnt, deutlich zu Tage kam.

Zurück zu den entscheidenden Szenen. 46 Sekunden nach Wiederanpfiff ging Carlinhos mit offener Sohle in einen Zweikampf gegen Nuhu und wurde folgerichtig mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Damit nahm das Spiel eine vorentscheidende Wendung. Lugano kam kaum mehr ins Spiel und YB nahm Schwung auf. Als sich Bertone nach einer Stunde bei einem Foul selber verletzte (und dafür Gelb sah), hatte der Trainer zwei Möglichkeiten: Ein 1:1-Wechsel Aebischer für Bertone oder aber ein Debut für den Neuzugang Moumi Ngamaleu. Er entschied sich für Letzteres und stellte YB damit sehr offensiv auf. Dieser Mut wurde belohnt, Ngamaleu passte auf Assalé und der traf endlich ins Tor. Der erste Saisontreffer des Ivorers wird dessen Knopf hoffentlich lösen. Definitiv gelöst ist indes der Knopf von Nsame, der einen herrlichen Angriff mit seinem zweiten Treffer des Spiels abschloss. YB hatte nun alles im Griff und hätte das Spiel auch noch höher gewinnen können. 

Weiter geht es für den neuen Tabellenführer (!) am Donnerstag mit dem Europa League-Auftakt gegen Partizan, bevor am Samstag das zweite Cupspiel wartet (Auswärts bei Old Boys Basel).

Noten:

von Ballmoos 4,5/ In der ersten Halbzeit auf dem Posten, nach dem Seitenwechsel nahezu beschäftigungslos.

Mbabu 4,5/ Machte enorm viel Dampf und profitiert in beide Richtungen von seiner Schnelligkeit. Nachwievor ein Thema: Seine Flanken.

Nuhu 5/ Bärenstarke Form.

von Bergen 4,5/ Für einmal wenig gefordert, hatte den Laden aber im Griff.

Benito 4/ Bis zu seiner Verletzung mit einer durchzogenen Leistung.

Sulejmani 4,5/ Aktiver Auftritt des Serben, allerdings verzögerte er das Offensivspiel einige Male unnötig.

Sanogo 4.5/ Zweikampfstark wie gewohnt, musste das Zentrum in der letzten halben Stunde beinahe alleine bespielen. In der ersten Halbzeit mit einem gefährlichen Abschluss.

Bertone 4/ Engagierter aber etwas unpräziser Auftritt bis zu seiner Verletzung. Hoffentlich ist er nicht allzu schlimm verletzt.

Fassnacht 4,5/ Der polyvalente Spieler rückte nach 60 Minuten ins offensive Mittelfeldzentrum und fand dort gleich ins Spiel. Auf dem Flügel vor allem beim Ballgewinn vor dem 1:0 auffällig.

Hoarau 3/ Kaum ein Ballkontakt, kleiner Bewegungsradius. Braucht offenbar noch etwas Zeit und darf diese auch erhalten da…

Nsame 5.5/… sein Nebenmann im gestrigen Spiel der beste YBler war. Fleissig, clever und abgebrüht. Hat seine Rolle langsam gefunden.

Lotomba 5/ Starker Auftritt von Lotomba. War sofort im Spiel und blieb quasi fehlerlos. Erzielte in der Schlussphase nach feiner Einzelleistung beinahe das 4:0.

Assalé 5/ ENDLICH! Hat sich diesen Treffer verdient und brachte frischen Schwung in die Angriffsbemühungen der Gelbschwarzen.

Ngamaleu 5/ Mit knapp 30 Minuten gerade noch im Beurteilungsfenster. Tolles Debut, lässt auf mehr hoffen.

FCSG – BSC YB 2:2 & kurzes Zwischenfazit

31. August 2017 um 13:08 von Pele in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen

Mit dem Spiel in St. Gallen endete eine intensive Phase von 11 Spielen in kurzer Zeit.

Die Geschichte der Partie ist rasch erzählt: YB startete engagiert und zog nach langer Zeit wieder einmal ein rigoroses Pressing auf. Spielerisch wollte nicht alles gelingen, zu ungenau waren die Pässe und die Abschlüsse. Dafür liess die Defensive nichts zu und Wölfli (vierter Einsatz in der Saison, da von Ballmoos eine leichte Verletzung am Knie plagt) blieb beschäftigungslos.

Nach 25. Minuten führte das eingangs erwähnte Pressing zu einem Ballgewinn an der Strafraumgrenze. Fassnacht luchste Taipi den Ball clever ab und Nsame hatte in der Folge keine Mühe, zum 1:0 zu treffen.

Leider weckte dieser Treffer das Heimteam. St. Gallen nahm nun auch am Spiel teil und begann zu kombinieren, jedoch noch ohne YB vor grosse Probleme zu stellen. Doch ein unerwarteter und mutiger Abschluss Aratores führte vor der Pause zum Ausgleich für die Grünweissen.

Dem etwas platt wirkenden YB wurde mit dieser Szene der Stecker gezogen. Nach der Pause spielte fast ausschliesslich das Team von Contini und traf früh zum 2:1. Auch in der Folge waren die Ostschweizer näher am 3:1 als YB am Ausgleich.

Hütter wechselte mit Assalé, Sow und Lotomba neue Kräfte ein, doch keiner dieser Joker brachte den benötigten Schwung. Es wäre eine mühsame Natipause geworden, hätte man gegen St. Gallen verloren. Dieser Meinung war auch Kasim Nuhu, der kurz vor Ablauf der Nachspielzeit einen Eckball mit etwas Hand kontrollierte und wuchtig zum späten Ausgleich verwertete.

Dieser Punkt ist wichtig und es sind offenkundig alle froh, folgen nun ein paar Tage Pause.

Noten

Wölfli 4.5/ Bei beiden Toren machtlos, im Verlauf der zweiten Halbzeit stark gefordert.

Mbabu 4/ Wirkte platt und konnte sich nicht wie gewohnt umsetzen. Dennoch mit guten Aktionen gegen den Ball.

Nuhu 5/ Scheint seine Torblockade langsam überwunden zu haben. Auch defensiv konstant besser geworden.

von Bergen 4.5/ Der Abwehrchef ist in Form, konnte aber die beiden Gegentreffer auch nicht verhindern.

Benito 3.5/ Kein guter Auftritt. Zu viele Fehlpässe und einige schlechte Zweikämpfe.

Schick 3.5/ Wurde kaum gesehen und wirkte brutal langsam.

Bertone 3.5/ Unkonstanter Auftritt Bertones, bei dem sich starke Ballgewinne mit einfachsten Fehlpässen abwechselten.

Sanogo 4/ Auch Sanogo wird die Pause gut tun. Zwar immer noch der Aggressivleader, aber mit weniger „Pfupf“ als auch schon.

Sulejmani 4/ Einer der Aktiveren, gute Szenen in der ersten Halbzeit. Baute aber in der Folge ab.

Nsame 5/ Das Pressing der ersten Halbzeit lag ihm sehr, die Absprache mit Fassnacht funktionierte gut. In der zweiten Halbzeit kamen fast keine Bälle mehr.

Fassnacht 4.5/ Ergänzte sich gut mit Nsame und erzwang das 1:0. Auch sonst fleissig.

Assalé, Sow, Lotomba keine Note/

Nach dem furiosen Start in die Saison 2017/18 wurde die Euphorie in den letzten Wochen ein wenig gedämpft. Das 0:4 in Thun war ein brutales Verdikt, obschon in dieser Partie vor allem die Effizienz entschied. Danach folgten, abgesehen vom Cupspiel gegen Breitsch, vier weitere Spiele ohne Sieg. Diese sind aber unterschiedlich zu betrachten: Das 0:1 gegen ZSKA war unglücklichstmöglich, das torlose Remis in Zürich ging soweit in Ordnung. Beim Rückspiel in Moskau war man nahezu chancenlos und bei der oben beschriebenen Partie gegen St Gallen muss man im Nachhinein froh sein, einen Punkt geholt zu haben.

Das intensive Programm hat durchaus Spuren hintelassen. Adi Hütter rotierte im August durchaus häufig, ohne dass man zuviele Automatismen einbüsste. Erfreulicherweise blieb man bisher von schweren Verletzungen verschont. Sowohl die Blessur von von Ballmoos als auch der Oberschenkel von Hoarau sollte nach der Natipause wieder verheilt sein.

Mit Ngamaleu und Teixeira konnten zwei weitere Talente für den Angriff verpflichtet werden. Zusammen mit Fassnacht und Nsame sollen sie die bestehende Offensive variabler machen. Dies ist auch dringend nötig, denn die beiden Treffer in St. Gallen beendeten eine Serie von vier Spielen ohne eigenen Treffer. Dies ist insofern bedenklich, als dass man zu Beginn der Saison beinahe aus jeder Lage Treffer erzielen konnte. Gui Hoarau ist nach wie vor ein wichtiger Faktor in der Offensive – doch er sollte nach der Pause damit beginnen, wieder Tore aus dem Spiel zu machen.

Erfreulich sattelfest zeigt sich die YB-Defensive. Der schwache Auftritt in Kiew war eher eine Ausnahme als die Regel. Besonders die IV um Nuhu/von Bergen wirkt stabil und sicher. Aussen wäre die Kombination von Benito und Mbabu wohl der perfekte Aussenverteidiger. So bringen beide ihre Stärken ein, haben aber auch Schwachstellen (Mbabu: taktisch, Stellungsspiel, Flanken; Benito: Geschwindigkeit, Präzision). Beiden sitzt Lotomba im Nacken, der für sein Alter schon sehr weit ist und jederzeit eine der beiden Positionen übernehmen könnte.

Im Zentrum führt kein Weg an Sanogo vorbei. Daneben hat sich Bertone als Partner #1 etabliert, Sow hat seinen Platz noch nicht ganz gefunden und Aebischer seinen für den Moment verloren. Dennoch ist der Dreikampf um die Position neben Sekou noch lange nicht beendet.

Nach der erholsamen Natipause wird YB dreimal Zuhause (Lugano, Partizan, Luzern) sowie einmal auswärts (Old Boys im Cup) antreten. Mit diesen Begegnungen sollte wieder Schwung geholt werden – denn grundsätzlich ist man in allen Wettbewerben absolut dabei. So unattraktiv die EL-Gruppe auch geworden ist, ein Überwintern ist nicht unrealistisch. Im Cup zählt wie immer nur die nächste Runde und in der Meisterschaft ist man bislang bei den Leuten.

Es wird ein spannender und intensiver Herbst – Hopp YB!

ZSKA Moskau – BSC Young Boys 2:0

24. August 2017 um 20:28 von Cabrón in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen, YB

Die Young Boys sind nach Moskau gereist um etwas Grosses zu erreichen. Am Ende blieb die Gewissheit, dass die Hürde ZSKA und somit die Qualifikation zur Champions League, doch noch eine Nummer zu gross ist.

Viel wurde im Vorfeld diskutiert: ob des Gegners, der eigentlich im Bereich des machbaren liegt. Des Fehlens von Guillaume Hoarau, was doch Chancen im schnellen Offensivspiel eröffnen kann. Des Resultates im Hinspiel, das nur eine taktische Richtung zulässt oder des Wechsels von Yoric Ravet zum SC Freiburg, der seine Kumpels zum Abschied die Sterne von Moskaus Himmel holt. Vielleicht war es die zu Beginn dieser Saison entstandene Euphorie welche die gelbschwarze Gemeinschaft zum Träumen verleitete, doch realistischer Weise muss man sich heute eingestehen, die Ziele waren noch eine Stufe zu hoch gesteckt.

Die junge, talentierte Berner Mannschaft, die durchaus auch gestern vereinzelnd ansehnliches zeigte, bekam die Möglichkeit weiter Erfahrung zu sammeln und aufgezeigt, was es noch braucht um eines Tages eine bessere Figur im internationalen Spitzenfussball zu machen. Klar, der Gegner trat im Rückspiel einiges druckvoller auf als noch im Hinspiel. Der 1:0 Rückstand kurz vor dem Pausentee, als man kurz die Zuordnung im Strafraum aus den Augen verlor, kam zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Hätte Akinfeev 10 Minuten nach Wiederanpfiff Sulejmanis starken Abschluss nicht grandios entzaubert, so wäre es vermutlich nicht zum perfekt herausgespielten 2:0 Endresultat gekommen. Doch es kam genau so.

Die Russen waren von Beginn weg die bessere Mannschaft und setzten den Gast aus der Schweiz von der ersten Sekunde an unter Druck. Chalov, Fernandes und vor allem der überragende Vitinho bereiteten der YB Defensive Probleme und prüften Von Ballmoos eins ums andere Mal. Christoph Spycher und Adi Hütter mahnten bereits vor dem Heimspiel, dass es zwei perfekte Spiele benötige um in die Champions League Gruppenphase aufzusteigen und dies war es dann gestern Abend halt nicht. Die Mannschaft war sicherlich bemüht aber doch ein Stück weit entfernt von der geforderten Leistungsgrenze. ZSKA Moskau war stets eine Idee schneller, zur Stelle mit einem aufsässigen Pressing und liessen den Young Boys weder Raum noch Zeit, um auch nur ins Spiel zu kommen.

Es gilt jetzt diese Leistung richtig einzuschätzen, aus den Fehlern und Erfahrungen zu lernen, den Blick in die nahe Super und Europa League Zukunft zu richten, um den erfreulichen Weg der letzten Monate weiterzugehen. Bereits am Wochenende wartet mit St. Gallen ein weiterer Prüfstein auf dem Weg in eine erfolgreiche gelbschwarze Zukunft und spätestens danach ersetzen wir die Enttäuschung in der CL durch die Freude an der Europa League.
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Noten:

Von Ballmoos 5: Am jungen Torhüter lag es gestern definitiv nicht. Im Gegenteil, Dävu vereitelte bereits zu Beginn des Spiels die Vorentscheidung mehrmals.

Mbabu 4: Versuchte viel über die Seiten, blieb aber meist hängen.

Nuhu 4: Eigentlich bis auf die unzureichende Kopfballabwehr beim 1:0 sicher.

Von Bergen 4: Stemmte sich gegen die offensiv Bemühungen Moskaus aber nicht immer mit Erfolg.

Benito 3: Bekundete besonders in HZ2 grosse Mühe mit Fernandes und Vitinho, welche ihn Mal für Mal stehenlassen konnten.

Ravet 2,5: War er bereits weg…?

Sanogo 3,5: Mit einigen guten Zweikämpfen aber mit zu wenig Einfluss aufs Spiel.

Bertone 4: Sehr bemüht aber Moskau war eine Nummer zu gross.

Sulejmani 4,5: Ein paar gute Aktionen und eine riesen Chance die leider stark von Akinfeev zunichte gemacht wurde.

Assalé 4,5: Holte sich die Bälle Hinten, wirbelte Vorne aber es fehlte das Auge für den Mitspieler.

Nsamé 2,5: Der Sprung von der ChL zur CL war zumindest gestern viel zu gross.

Lotomba und Fassnacht waren zu kurz im Spiel für eine Benotung.

FC Zürich – BSC Young Boys 0:0

20. August 2017 um 17:30 von Pele in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen

Nach Moskau ist vor Moskau. So fest wir uns alle vornehmen, Spiel für Spiel zu nehmen und dies auch von den Spielern erwarten, so schwierig ist es das Spiel vom kommenden Mittwoch auszublenden.

Adi Hütter versuchte mittels leichter Rotation, sowie einer Systemumstellung für neue Reize zu sorgen. Mit einem 3-4-1-2 sollte dem 3-4-3 des FCZ entgegengewirkt werden, Benito rückte in die Innenverteidigung neben Nuhu und von Bergen, Mbabu und Lotomba sollten auf den Aussenbahnen für Wirbel sorgen. Im Zentrum durfte sich Sow ein weiteres Mal neben Sanogo zeigen und versuchen, die drei Offensiven Fassnacht, Assalé und Hoarau mit Zuspielen zu füttern. So gut dies auf dem Papier klang, so ungenügend war die Ausführung dieses Plans in der ersten Halbzeit. Es entwickelte sich eine von Zweikämpfen und Fehlpässen geprägte Partie, in denen YB zwar nicht schlechter aber sicher etwas weniger zielstrebig agierte. „Mentalitätsmonster“ Frey zeigte sich gegen seine Kollegen (über)motiviert und lieferte sich über 90 Minuten ein hartes Duell mit von Bergen. Unverständlich wie er dabei ohne Verwarnung davon kommen konnte.

Erst kurz vor der Pause kam YB zu einer Chance, doch Assalé traf den Ball nicht optimal nachdem er bereits an Vanins vorbeigezogen war. Was vor allem auffiel war der ausbleibende Spielaufbau auf beiden Seiten, vor allem aber bei YB. Viel zu oft wurde mit langen Bällen operiert, die für den routinierten Alain Nef meist ein gefundenes Fressen darstellten.

In der Pause reagierte der Trainer und brachte das Duo Schick/Nsame für Lotomba/Assalé. Dadurch wurde das System wieder zu einem 4-4-2 umgestellt, was YB direkt eine deutliche Sicherheit einbrachte. Die ersten Minuten nach der Halbzeit gehörten klar den Gästen, es wurde flüssiger kombiniert und man näherte sich dem Strafraum sichtlich. Eine schöne Flanke von rechts konnte Hoarau per Seitfallzieher abnehmen – sah diesen Abschluss von Vanins hervorragend pariert. Es scheint, als müsse unsere Torversicherung seine Treffer aktuell doppelt und dreifach erzielen. Nach dieser Szene fing sich der FCZ ein wenig und kam zu zwei guten Steilpässen, die allerdings von Mbabu und von Ballmoos verteidigt werden konnten. Generell wirkte Gelbschwarz aber nun etwas stilsicherer, ohne zu zwingenden Torchancen zu kommen. Es schien, als würde sich der „Abschlussfluch“ der Spiele gegen Thun und ZSKA auch in Zürich fortsetzen. Zudem liess sich Hoarau auch noch angeschlagen auswechseln, dies hoffentlich nur als Vorsichtsmassnahme für Mittwoch. So blieb es nach 90 Minuten und einem durchzogenen Spitzenkampf beim 0:0. Eine Punkteteilung die in Ordnung geht und keinen Grund zur Besorgnis darstellt. Allerdings muss am kommenden Sonntag ein Erfolgserlebnis in St. Gallen her, um mit Toren, drei Punkten und Rückenwind in die wohlverdiente Natipause zu gehen. Rückenwind, der hoffentlich am Mittwochabend zu wehen beginnt Hopp YB!

Die Noten:

von Ballmoos 4.5/ Zu Beginn mit Glück gegen den anstürmenden Frey. Im Anschluss sicher.

Nuhu 4.5/ Ein Wackler in der ersten Halbzeit sowie ein sehr riskanter Pass gegen Ende des Spiels. Ansonsten sehr zweikampfstark und mit guten Seitenwechseln.

von Bergen 4.5/ Bekundete Mühe gegen Frey und erledigte seine Aufgabe nicht immer stilsicher. Hielt aber mit seinem Verbund die 0.

Benito 4.5/ Mit zwei wichtigen Rettungstaten und guten Tacklings. Seine Flanken sind gut, seine 1:1-Situationen noch nicht.

Lotomba 4/ Versuchte sich aktiv in die Offensive einzubringen, allerdings wollte ihm nicht allzu viel gelingen. Nahm sich aber in der ersten Halbzeit ein Herz und versuchte es aus der Distanz.

Sanogo 4/ Hatte Mühe gegen Rüegg und Sarr, nicht so dominant wie gewöhnlich. Hat Glück fliegt er nicht vom Platz, muss seine Hände unter Kontrolle behalten.

Sow 3.5/ Sichtlich bemüht aber ohne Fortune. Seine Standards waren sehr schwach.

Mbabu 4/ In der ersten Halbzeit verhalten und es hätte nicht verwundert, wenn er für Schick hätte weichen müssen statt Lotomba. In der zweiten Hälfte aber deutlich besser.

Fassnacht 4/ Bis zur Pause kaum gesehen. Nach der Pause auf dem Flügel deutlich auffälliger. Rückte nach der Auswechslung Hoaraus in die Spitze.

Assalé 3.5/ Kaum eine Szene gegen die massierte Zürcher Abwehr. Hat im Abschluss das Pech am Schuh.

Hoarau 4/ Stemmte sich gegen die FCZ-Defensive und kam zur besten Chance des Spiels. Sinnbildlich, dass diese nicht zu einem Treffer führte.

Nsame 4/ Grosser Einsatz nach seiner Einwechslung, behauptete diverse Bälle auch gegen mehrere Verteidiger. Trifft im Strafraum aber noch die falschen Entscheidungen.

Schick 4.5/ Seine Einwechslung brachte Schwung und bessere Standards sowie Flanken, die auch mal ankamen.

Ravet ohne Note/

Cup: FC Breitenrain – BSC Young Boys 0:3 (0:1)

14. August 2017 um 23:36 von Cabrón in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen, YB

Es war das erwartete Fussballfest im Quartierderby auf dem altehrwürdigen Spitz! Die Ostkurve marschierte 2 Stunden vor Spielbeginn vom Wankdorf über Umwegen durch den Breitsch zum Stadion. Vorbei an lauter gutgelaunten Fussballfans, die meisten in Gelbschwarz aber doch auch ein paar wenige im weissschwarzen Breitenrainschal, die sich am Breitschplatz, wie meist vor den YB Spielen, noch ein Bier gönnten. Das Fussballstadion Spitalacker war rappelvoll. Sogar auf den Cateringständen, dem Clubhaus und den umliegenden Dächern und Balkonen war dichtes Gedränge. Kinder sassen an der Auslinie, schauten erwartungsfroh auf den Kunstrasen und den auftretenden Hauptdarstellern dieses ungewöhnlich schönen Cupspiels. 6’000 Zuschauer konnten dank provisorischen Zusatztribünen und dem Einsatz vieler Helfer, Live dabei sein und auch wenn die Sicht auf das Spielgeschehen ab der dritten Reihe und dem vierten Bier, vielleicht nicht mehr ganz so gut war, so zog sich diese überaus gute Feststimmung bis weit nach dem Schlusspfiff durch.

Die Young Boys befanden sich nach der Niederlage gegen Thun einerseits auf Wiedergutmachungstour aber andererseits auch irgendwie in Vorbereitung auf das Spiel für die Champions League. Dazwischen erwarteten alle einen souverän herausgespielten Aufstieg in die nächste Cuprunde. Adi Hütter rotierte 7 Spieler in das neu formierte 3-5-2 System aber lies nie Zweifel aufkommen, was Ziel und Zweck dieser Veranstaltung war. Der FC Breitenrain, bis in den kleinen Zeh motiviert, vom grossen Gegner und der Kulisse sichtlich beeindruckt, versuchte mehr oder weniger erfolgreich die Räume zu schliessen und die Null möglichst lange zu halten. Dies gelang bis in die 22. Minute und dem Kunststück von Nuhu. Es war dies der erste Treffer in einem Ernstkampf für die Gelbschwarzen und wurde dementsprechend gefeiert.

Ehe das Heimteam zu ihrer ersten Chance kam und die Nervosität einigermassen abstreifen konnte, war bereits eine Stunde gespielt und man lag nach einem glücklichen Treffer von Thorsten Schick mit 0:2 zurück. Danach traf Franjic im Offside stehend zum vermeintlichen 1:2 und Breitsch Urgestein und ex YB Spieler Kehrli verliess seine Posten in der Innenverteidigung um im Strafraum des Super League Klubs für Unruhe zu sorgen. Was nicht unbedingt gelang, dafür schoss der auffällige aber nicht ganz so effiziente Nsamé zum verdienten 3:0 Endstand.

Der Höhepunkt dieses schönen Fussballnachmittags war hingegen der Platzsturm dutzender Kinder und das «We love you Tänzchen» mit den YB Spielern vor der Ostkurve. Als jeder ein Autogramm erhascht oder ein Selfie geschossen hatte konnte kehrte man glücklich nach Hause zurück und manch einer erhofft sich schon bald wieder ein solch gelungenes Quartierfest auf dem Spitz.

Die Noten:
Von Ballmoos 4,5: Zugegeben, David hatte nicht wirklich was zu tun, doch musste er auch nie hinter sich greifen.
Bürki 4,5: Hatte kaum was zu tun aber erledigte was kam gut.
Nuhu 5: Defensiv nicht gefordert und offensiv mit seinem ersten Pflichtspieltreffer in Gelbschwarz.
Wüthrich 4,5: Stand zum ersten Mal in dieser Saison im YB-Kader und holte sich gleich einen sturmen Schädel und eine gebrochene Nase ab.
Bertone 4,5: Organisierte das Spiel im Mittelfeld – Konzentrierter Arbeitstag von Leo.
Schick 5: Begann gut aber baute nach seinem glücklichen Treffer etwas ab.
Sow 4: Suchte auch gegen das Unterklassige Breitenrain seine Rolle im Team.
Aebischer 4: Unauffälliges Spiel mit wenigen persönlichen Akzenten.
Lotomba 5: Viel unterwegs und mit zwei Assists.
Hoarau 4,5: Führte die «Jugendtruppe» souverän in die nächste Cuprunde.
Nsamé 5: Gefährlichster Spieler auf dem Platz. Hätte auch 1 oder 2 Treffer mehr erzielen dürfen.
Fassnacht 4: Kam für die letzten 20 Minuten als das Spiel bereits entschieden war und konnte keine Akzente mehr setzen.
Joss war zu kurz im Spiel für eine Benotung.

BSC Young Boys – FC Lausanne-Sport 3:0 (2:0)

7. August 2017 um 16:11 von Cabrón in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen, YB

Vor dem Match stellte sich den YB Fans einzig die Frage, wie stark Adi Hütter gegen Lausanne rotieren lassen wird. Auf 4, 5 oder gar auf 7 Positionen? Kein Wunder, denn in den vorangegangenen Spielen konnte von der Bank kommen wer wolle – meistens sorgten genau sie für den Sieg. Nach Fassnacht, der das wichtige Auswärtstor gegen Kiew erzielte oder zusammen mit Nsamé den Grasshopper Club abschoss und Lotomba, dem Co-Siegschützen im Heimspiel gegen die Ukrainer, war die Reihe nun also an «True Legend» Leonardo Bertone. Gegen Basel und in der CL Qualifikation zumeist nur auf der Bank, sorgte er mit seinem Doppelpack gegen die Waadtländer früh für klare Verhältnisse.

Nach gemächlichem Beginn und einer schönen Eckballvariante brachte Leo unsere Farben zuerst mit einem satten Schuss via Innenpfosten 1:0 in Front, bevor der Matchwinner nur 6 Minuten später und nach herrlichem Doppelpass mit Ravet, die Weichen früh auf Sieg stellte. Die Lausanner, gewohnt mutig und offensiv von Fabio Celestini eingestellt, starteten trotz mässigem Meisterschaftsstart selbstbewusst in die Partie, doch nach dem Doppelschlag wurde ihnen schlagartig bewusst, dass in Bern auch in dieser Saison nicht viel zu holen sein wird. Einzig Rückkehrer Rochat konnte sich über gelbschwarze Geschenke freuen und marschierte am Ende mit einem Lächeln und zwei YB Trikots, eines sicherte er sich von Gui und das andere überreichte ihm Sportchef Wuschu Spycher für seine Verdienste in unseren Farben, von dannen.

Die Young Boys machten gestern da weiter, wo sie in den letzten Spielen aufgehört haben und ritten auf einer Welle der Euphorie Angriff um Angriff. Meist über die Flügel, wo ein bestens aufgelegter Yoric Ravet seine Gegenspieler eins ums andere Mal vernaschte oder Assalé den Verteidigern um die Ohren flitzte und so in der 66. Minute etwas glücklich einen Strafstoss herausholte. Der Mann für solche Fälle liess sich nicht zweimal bitten und erhöhte zum Endstand von 3:0. Guillaume Hoarau scheint nach seiner schweren Verletzung auf bestem Weg zurück zur alten Form und dies nicht nur, weil er im vierten Ernstkampf bereits seinen zweiten Treffer buchte, sondern vor allem, weil er sich wieder in jedem Spiel gute Chancen erarbeitet und mit seinem Kopfballspiel ein beinahe unüberwindbare Herausforderung darstellt – zumindest national.

Klar gönnte man sich zu Beginn der jeweiligen Halbzeiten eine ruhigere Phase, doch wann immer nötig oder Lust vorhanden war das Tempo zu steigern, ging die Post ab und die 17’364 Zuschauer fühlten sich bestens unterhalten. Um noch auf die Anfangs gestellte Frage zurückzukommen: Unser Wunderwuzzi an der Seitenlinie rotierte auf 3 Positionen. Halt genau so viel wie es benötigte um die aktuelle Welle zu reiten und die nächste nicht auslassen zu müssen.
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Die Noten:

Marco Wölfli 4,5: Lange nicht gefordert, beanspruchte er etwas Glück beim Pfostenschuss von Margiotta bevor sich der Wolf dann doch noch zweimal auszeichnen konnte.

Kevin Mbabu 4,5: Nicht ganz so auffällig wie in den letzten Spielen aber wieder eine souveräne Leistung.

Kasim Nuhu 5: Findet sich immer besser in der IV zurecht. Defensiv zweikampfstark und offensiv mit schönem öffnendem ersten Pass.

Steve von Bergen 5: Was will man mehr von einem Abwehrchef?! Erneut zu Null gespielt!

Jordan Lotomba 4,5: Spielte gegen seine ehemaligen Teamkameraden eine unauffällige aber auch unaufgeregte Partie.

Yoric Ravet 5,5: Er dribbelt(e) dem Gegner wieder Knoten in die Beine. Dazu zwei Assists – Grande Yoric!

Sékou Sanogo 4,5: Auch wenn er gestern wieder keine Fehler beging, so waren andere auffälliger.

Leonardo Bertone 6: Kam, sah und traf gleich doppelt! Auch defensiv omnipräsent.

Miralem Sulejmani 4,5: Arbeitete sehr gut gegen Hinten aber mit ein, zwei Ausnahmen in der Offensive eher unauffällig.

Roger Assalé 5,5: Der Wirbelwind kommt immer mehr in Fahrt und war auch gestern erneut ein steter Unruheherd. Holte zudem den Elfer raus und traf nach 28 Minuten den Pfosten.

Guillaume Hoarau 5: Brauchte etwas Zeit bis er ins Spiel fand. Danach erspielte sich Gui mehrere Chancen, traf erneut per Penalty und hatte gegen Ende des Spiels zweimal Pech im Abschluss, als seine Kopfbälle knapp neben dem Tor oder am Pfosten landeten.

Djibril Sow 4,5: Kam in der 71. Minute für Sanogo und fügte sich gut ins Spiel der Young Boys ein.

Christian Fassnacht und JP Nsamé waren zu kurz im Spiel für eine Benotung.

Matchwinner Bertone im Zweikampf mit Zarate. (Foto: Thomas Hodel - ybforever.ch)

Matchwinner Bertone im Zweikampf mit Zarate. (Foto: Thomas Hodel – ybforever.ch)

BSC YB – Dynamo Kiev 2:0

3. August 2017 um 13:26 von Pele in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen

Ist es der Moment, als Marco beim zweiten „Wölfli“-Fangesang von Ballmoos hoch zieht und ihn als Thronfolger präsentiert wie es einst Rafiki mit Simba in Lion King tat?

Oder ist es die Jubelattacke auf von Bergen während dessen SRF-Interview, die sogar dem YB-Captain ungewohnte Emotionen entlockt? Vielleicht doch die gefühlt 100 perfekten Seitenwechsel von Nuhu, meist gepaart mit einer lehrbuchmässigen Brustannahme Benitos? Wohl am ehesten der Treffer zum 2:0, den Lotomba zusammen mit Hoarau erzielt während Dynamo-Torhüter Koval gerade vom Karma gef… pardon, bestraft wird.

Man weiss auch am Morgen danach kaum, welche Eindrücke des gestrigen Abends am präsentesten sind. Fakt ist, dass uns diese Mannschaft eine unvergessliche Erinnerung beschert hat. 

Ein Jahr nach dem Wunder gegen Schachtar Donetzk greift YB ein weiteres Mal nach den Sternen. Dieses Mal braucht man aber nicht von einem Wunder zu reden: Es war ein unglaublich starker Auftritt einer Mannschaft, die den Wunsch des Trainers nach einem perfekten Spiel erfüllen konnte. Dynamo Kiev wirkte von Beginn weg seltsam passiv und uninspiriert, als wäre das Weiterkommen bereits besiegelt. Diese Passivität dürfte aber auch am YB-Auftritt gelegen haben. Von der ersten Sekunde an waren die Gelbschwarzen unglaublich aggressiv und engagiert, kauften den Ukrainern in den Zweikämpfen den Schneid ab und waren auch spielerisch die bessere Mannschaft.

Besonders Roger Assalé schien in der ersten Halbzeit vor Spielwitz zu platzen und war kaum zu bremsen. Clever, wie er sich nach einer Viertelstunde, aus knappem Offside startend, von hinten an den Verteidiger schlich und von diesem unglücklich getroffen wurde. Der polnische Unparteiische entschied auf Elfmeter und Guillaume Hoarau erzielte in gewohnt souveräner Manier sein erstes Saisontor.

Auch im Anschluss an diese Führung blieb YB konzentriert und verteidigte geschickt. Jarmolenko genoss kaum Freiheiten und Mbokani dürfte die nächsten paar Tage gegen seine Sanogo-Alpträume ankämpfen. Die beiden lieferten sich unzählige harte Duelle wobei es meist der Kongolese war, der gegen diesen menschgewordenen Achttausender das Nachsehen hatte.

Das Team von Adi Hütter setzte nebst der harten Zweikampfführung vor allem auf das Spiel über die Flügel, welches sehr gut funktionierte. Die offensiven Aussenverteidiger Benito und Mbabu wurden häufig lanciert und genossen viele Räume, die unter anderem durch die intelligenten Laufwege von Fassnacht und Ravet generiert wurden. Eine dieser Aktionen führten nach starker Benito-Flanke zu einem Kopfball Assalés, der nur knapp am Tor vorbeistrich.

YB suchte den zweiten Treffer aber nicht auf Biegen und Brechen sondern agierte mitunter auch geduldig, im Wissen das ein 2:0 auch spät fallen darf, sofern man hinten die Null hält. Hier zeigte sich oftmals die Routine von Captain von Bergen und Guillaume Hoarau, die ihre Mannschaft im richtigen Moment zu beruhigen wussten.

Auch nach der Pause startete YB umsichtig, spielte frech nach vorne, ohne die Defensive zu vernachlässigen. Der mittlerweile genervte Jarmolenko kam kaum ins Spiel und gerade als man dachte, man hätte ihn endgültig im Griff, wurde er geschickt freigespielt und stürmte auf Marco Wölfli zu. Manch einem Zuschauer dürfte in dieser Szene die YB-Wurst im Hals steckengeblieben sein – doch der alte Mann zwischen den Pfosten blieb lange stehen und wehrte den Ball mit dem rechten Arm gekonnt ab. Danach schien das Pendel endgültig zugunsten des Heimteams auszuschlagen. YB liess nun kaum mehr etwas zu und kam zu weiteren Chancen. Ravet sah seinen spektakulären Fallrückzieher pariert, eine gute Aktion von Kiev-Goalie Koval. Dieser fiel ansonsten nur durch Provokationen und Zeitspiel auf, besonders Letzteres schien von Beginn weg der Matchplan der Ukrainer zu sein. Es war beinahe bilbaoesk, wie oft die Spieler von Trainer Khatskevich auf dem Kunstrasen liegen blieben, um nach kurzer Pflege wieder wie junge Hüpfer ins Spiel zurückzukehren.

Pünktlich auf die YB-Viertelstunde reagierte Adi Hütter und brachte mit Nsamé und Sulejmani neue Kräfte für die Offensive. (Wohl dem, der solche Akteure einwechseln darf!)

Keine fünf Zeigerumdrehungen später schien sich dieser Doppelwechsel auszuzahlen: Toller Steilpass von Sulejmani auf Hoarau, dieser umspielt zwei Verteidiger und schliesst ab… abgeblockt… der Abpraller landet bei Nsamé, das Tor ist leer… NEIN, auch dieser Ball wird abgewehrt. Argh! Eine Doppel-Grosschance etwas mehr als zehn Minuten vor Schluss, das hätte es doch sein müssen!

Auf den Rängen war die Stimmung zwar ungebrochen gut, doch manch einer schien aufgrund des fehlenden Tores, des schauspielenden Goalies und der vergebenen Chancen langsam die Ruhe zu verlieren. Zum Glück schwappte diese Nervosität nicht auf die Mannschaft über, die nach wie vor den Spielplan befolgte und an den zweiten Treffer glaubte. Hütter hatte mittlerweile den jungen Lotomba für den fleissigen Sow eingewechselt und setzte somit noch mehr auf Tempo und jugendliche Frechheit.

Kurz vor dem Ablauf der regulären Spielzeit wurde Sulejmani schön freigespielt, dieser macht esich auf Richtung Tor und zwang Koval mit seinem schwächeren rechten Fuss zu einer Parade.

Der anschliessende Corner sollte das Stimmungsfass Wankdorf zum Überlaufen bringen: Sulejmani auf Lotomba, dessen Kopfball flog via Hoarau Richtung Tor und der bereits mehrfach erwähnte Koval bugsierte die Pille gleich selber hinter die Linie! TOOOOOOR! 2:0!

Ironischerweise hatte Kiev nun 6 Nachspielminuten zur Verfügung, um doch noch den Auswärtstreffer zu entscheiden. Notabene hatten die Gäste für 5:59 dieser Nachspielzeit selber gesorgt… Doch YB konnte die Leistung durchziehen und verteidigte geschickt und fehlerlos. Aus! Fertig! YB steht im CL-Playoff und hat mindestens noch acht europäische Auftritte vor sich!

Die Noten:

Wölfli 6/ Parierte in Heldenmanier gegen Jarmolenko, Big-Save des Spiels!

Mbabu 6/ Dieser Mann hat 6 Lungen und 230 PS!

von Bergen 6/ Zeigte wie gut er nach wie vor ist, drittes zu-Null im vierten Spiel.

Nuhu 6/ Seine Spielverlagerungen erinnern an Landschaftsbilder grosser Künstler, sein Zweikampfverhalten wird immer besser.

Benito 6/ Hat mit der Brust eine bessere Ballannahme als manch einer mit dem Fuss. Starker Auftritt nach der Kritik vom Hinspiel.

Ravet 6/ Unermüdlicher Antreiber nach vorne, fleissiger Kämpfer nach hinten.

Sanogo 6/ Der Inbegriff eines Abräumers.

Sow 6/ Viel unterwegs, mit guten Ideen. Hatte ein paar wenige Fehler welche aber allesamt ausgebügelt wurden.

Fassnacht 6/ Vor allem in der Defensive aktiv mit vielen wichtigen Szenen.

Assalé 6/ In der ersten Halbzeit allgegenwärtig, ihn konnte die Kiever Defensive nie kontrollieren.

Hoarau 6/ Da ist er wieder!

Nsamé 6/ Fügte sich perfekt ins Spiel ein, enorm Kopfballstark.

Sulejmani 6/ Brachte die entscheidenden Impulse und entschied das Spiel mit.

Lotomba 6/ Hat mit fünf Minuten Einsatzzeit mind. sechs Millionen eingespielt. Kann man mal machen.

Hütter 6/ Trotz harscher Abwehr-Kritik nach dem Hinspiel und dem guten Auftritt gegen GC, setzte der Trainer mehrheitilich auf die Start-11 vom Hinspiel und wurde dafür belohnt. Perfekt eingestellte Mannschaft, perfekt gewechselt – Bravo!

FC Thun – BSC Young Boys 0:0

29. Mai 2017 um 17:56 von Cabrón in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen, YB

YB und der FC Thun trennten sich brüderlich die Punkte. Das Testspiel nutzte Adi Hütter um seine Mannschaft im 3-4-3 aufzustellen, so bekam Nuhu die Chance neben den Oldies Rochat und von Bergen in der Innenverteidigung und mit den beiden Aussenverteidiger Mbabu und Benito im Mittelfeld, die Abwehr zu bilden. Diese 5 machten dies so gut, dass Marco Wölfli in seinem 1. Saisonspiel gleich die «Null» mit nach Hause nehmen konnte. Während im defensiven Mittelfeld vor allem Aebischer herausgestochen ist, blieb der Angriff gestern in brütender Hitze einiges Schuldig.

Vielleicht lag es an den hohen Temperaturen oder auch ein wenig an der Testspielatmosphäre, doch als besonders spektakuläres Berner Derby wird das gestrige Spiel sicher nicht in die Annalen eingehen. Die Young Boys brauchten einige Zeit um sich an das ungewohnte 3-4-3 System zu gewöhnen und schafften dies, wenn überhaupt, nur in defensiver Hinsicht ohne grössere Probleme. Die Abwehr stand äusserst gut und kompakt, doch gelang ein schnelles Umschaltspiel nur zaghaft und hauptsächlich über Mbabus rechte Seite, während man im Angriff mit den wenigen Bällen zu hektisch und meist auch eigensinnig umging.

Ein Schuss Hedigers an das Lattenkreuz und der Anschliessende Nachschuss von Sorgic waren die besten Möglichkeiten des Heimteams in Halbzeit 1. Zwar hatte auch YB seine Möglichkeiten, doch diese vergab man zumeist bereits im Ansatz und bevor es richtig gefährlich werden konnte. Einzig kurz vor der Pause musste Ruberto aktiv eingreifen, als Roger Assalé alleine auf ihn zustürmte aber den Ball des herauseilenden Torwarts pariert sah.

Hatten die Thuner zu Beginn eher mehr vom Spiel und die zwingenderen Chancen, so vermochten die Gelbschwarzen nach dem Pausentee die Partie ausgeglichener zu gestalten. Aebischer, nach einem schnellen Angriff über Rechts und Ravet mit einem Weitschuss, prüften den Thuner Torwart. Als sich Jaccottet in der 79. Minute entschied Schirinzi, in seinem letzten Spiel für den FC Thun, nach dessen hohen Bein vom Feld zu stellen, bekamen die Hauptstädter vollends die Oberhand, ohne aber das Spiel für sich entscheiden zu können. So ging am Ende die Punkteteilung für beide Teams in Ordnung. Schlüsse ob dem 3-4-3 zu ziehen ist schwierig doch wir nehmen mit Wohlwollen zur Kenntnis, dass die Vorbereitung auf die Saison 2017/18 im vollen Gange ist.

Noten:

Wölfli 4,5 – Der Wolf hielt in seinem 422 Spiel für die Young Boys seinen Kasten zum 110 Mal rein. Trotzdem konnte das Berner Urgestein die fehlende Spielpraxis nicht vollends verheimlichen.
Nuhu 5 – Verteidigte ohne Fehl und Tadel und setzte gegen Ende des Spiels auch Akzente gegen Vorne.
Von Bergen 5,5 – War immer da wenn es brenzlig wurde, hielt die Defensive souverän zusammen und verhalf Wölfli so zu einem Shutout.
Rochat 5 – Gute Leistung vom Oldie. Rettet gegen Ende des Spiels in höchster Not das Unentschieden.
Mbabu 5 – Liess gegen Hinten fast nichts zu und beflügelte das Angriffsspiel gegen Vorne.
Aebischer 5 – Findet immer mehr seinen Platz im Team. Gestern viel er auch wieder vermehrt als Spielgestalter auf.
Zakaria 4 – Stopft gewohnt souverän die Löcher – hatte aber auch schon stärkere Spiele.
Benito 4 – Blieb ohne nennenswerte Fehler, fand aber trotzdem nie richtig ins Spiel.
Schick 3,5 – Auch wenn nur wenig Bälle den Weg zu ihm fanden, kam gestern zu wenig vom Österreicher.
Assalé 3,5 – Rannte viel aber selten mit Plan. Zudem vergab er die paar wenigen Chancen die sich ihm boten, bereits im Ansatz.
Ravet 3,5 – Es scheint als ginge unserem Assistgeber Nr. 1 gegen Ende der Saison die Puste aus.
Gerndt 3,5 – Fand nie wirklich ins Spiel.
Lecjaks – kam nach 80 Minuten für Rochat.

FC Sion – BSC Young Boys 0:1

8. Mai 2017 um 19:23 von Cabrón in der Kategorie Matchbericht, Spielerbewertungen, YB

Eigentlich ist Adi Hütter und sein Team für Pressing und eine offensive Ausrichtung bekannt. Lieber ein 4:3 als ein 1:0, so kündigte sich der Trainer der Berner Kampfmannschaft bei seiner Vorstellung in Bern an. Doch gestern gegen Sion hiess es: kompakt stehen, die Räume engmachen und aus einer gesicherten Defensive schnelle Konter lancieren. So sah der Plan aus, so wurde er umgesetzt und am Ende erwies er sich auch als richtig. Den Young Boys ist nach diesem 1:0 Auswärtssieg der 2. Platz und somit die Champions League Qualifikation kaum mehr zu nehmen.

Obwohl die Artisten des Cirque Constantin zu Beginn mehr vom Spiel hatten und mehrheitlich im Ballbesitz waren, gelang es der Heimmannschaft nicht genügend Druck aufzubauen, um die vom Captain Steve von Bergen organisierte Abwehr in Verlegenheit zu bringen. Kaum ein Ball der Walliser kam gefährlich auf das Tor der Berner und wenn doch, so stand mit Yvon Mvogo ein sicherer Wert zwischen den Pfosten. Die Gelbschwarzen standen tief, liessen den Gegner kommen und auch nach der Verletzung Sanogos arbeiteten alle konsequent nach Hinten, was ein Spektakel zwar weiterhin nicht zuliess aber die Weissroten zermürbte.

YB spielte mit viel Geduld und Disziplin und wartete auf seine Chancen die meist nach schnellen Kontern über die Seiten entstanden. Eine solche führte kurz vor der Pause zum Freistoss welcher das Spiel entscheiden sollte. Der lauffreudige Mbabu überlief mit etwas Glück die gesamte linke Abwehrseite der Walliser und konnte von Gent-Leihgabe Taravel nur durch ein Foul an der Strafraumgrenze gestoppt werden. Der äusserst auffällige Sulejmani hämmerte den fälligen Freistoss, links an der Mauer vorbei, zum umjubelten 0:1 in die Maschen.

Neben der Nervosität machte sich beim FC Sion in der zweiten Halbzeit je länger je mehr auch noch Ratlosigkeit breit und so gehörten am Ende die wenigen besonderen Aktionen den Bernern. Zum Beispiel Bertone, dessen Kopfabwehr, unter den Augen Rochats, am Pfosten landete. Oder ebendiesem Rochat, der sich mutig in den Schuss Pingas warf und so den Ausgleich verhinderte. Aber auch Aimery Pinga, dem YB-Junior der erst letzten Oktober vom Wankdorf in den Tourbillon wechselte und gestern zu seinem ersten Super League Einsatz kam.

Es blieb beim wichtigen und verdienten 1:0 Auswärtssieg. In Bern wird ab sofort wieder von Sternen und vom Europapokal geträumt und die Mannschaft des Christian Constantin macht sich auf ins Trainingslager, zur Vorbereitung auf ein Spiel gegen den FC Basel, das irgendwann um den 25. Mai 2017 in Genf stattfinden soll.

Noten:
Mvogo 5: Hatte nur eine kleine Unsicherheit, hielt aber sonst gewohnt stark die Null fest.
Mbabu 5: Beackerte die rechte Seite unermüdlich und erfüllte auch seine defensiven Aufgaben.
Von Bergen 5: Führte seine Abwehr souverän und spielte mit ihr zum zweiten Mal in Folge zu Null.
Rochat 4,5: Lies nichts anbrennen, warf sich in die Schüsse und bewies bei Bertones Kopfball, an den eigenen Pfosten, ein gutes Auge.
Lecjaks 4,5: Blieb ohne Fehler. Seine Flanken fanden gestern aber selten einen Abnehmer.
Ravet 4: Für einmal arbeitete der Franzose auch gut gegen hinten, wodurch wohl seine Stärke in der Offensive etwas darunter litt.
Sanogo 4: Bevor Sekou richtig ins Spiel fand, musste er bereits verletzungsbedingt wieder vom Feld.
Zakaria 4,5: Stopfte die Löcher im Mittelfeld aber blieb Offensiv unauffällig.
Sulejmani 5,5: Der Walliser Publikumsliebling arbeitete viel (gegen Vorne und gegen Hinten!) und traf herrlich.
Bertone 4,5: Wie Zakaria auch von Bertone ein gutes Spiel. Hatte Glück bei seiner Kopfballabwehr an den Pfosten.
Frey 4: Arbeitete wie alle anderen viel aber ihm fehlte gestern das Glück.
Aebischer 4,5: Fand sofort ins Spiel und erledigte seine Arbeit gut und unauffällig.
Schick 4: Führte sich nach seiner Einwechslung für Ravet nahtlos ins Defensivkonzept ein blieb aber auch unauffällig in der Offensive.
Gerndt kam in der 84. Minute für Sulejmani.